Full text: Kann das Geld abgeschafft werden?

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„Die Qualität des Geldes besteht ausschließlich in seiner 
Quantität“, schreibt Simmel; das „Geldinteresse“ zeichnet sich 
durch die „Beschränkung auf die Frage des Wieviel“ aus. Auf 
jedem Geldstück und Geldschein steht eine Zahl und bezeichnet 
seine Geltung. Ein silbernes_5 Mark-Stück ist ein Ding, und 
fünf Darlehnskassenscheine zu je ı Mark sind fünf Dinge, und in 
Stoff, Größe, Form, Aufdruck von jenem verschieden; gleichwohl 
gelten sie dasselbe: das Fünffache der Einheit Mark. Es kenn- 
zeichnet mein Verhalten dem Gelde gegenüber, daß ich es kaum 
auf etwas anderes hin prüfe als auf seine Zahlbedeutung. (Selbst 
seine örtliche Beschränkung übersehe ich leichter; man denke an 
die vielfache Verirrung des jetzt von größeren Städten ausge- 
gebenen Notgeldes.) Hier erschließt sich eine Wesenheit des 
Geldes: es ist allgemein und notwendig Rechengeld. Mag man 
seine Einheit durch welche Menge welchen Stoffs auch immer 
definieren, mögen das Vielfache und die Bruchteile dieser Einheit, 
welche die Stücke darstellen, nach dem Dezimal- oder einem 
sonstigen Zahlensystem ‘bestimmt sein, — auf alle Fälle muß ich 
„mit Geld“ und „in Geld“ rechnen können. 
Die Geldrechnung ist jedoch von jedem anderen Rechnen 
wohl zu unterscheiden. Die Arithmetik des Geldes — die übrigens 
sehr einfach ist: in der Hauptsache nur ein Addieren und Sub- 
trahieren — ist nicht um ihrer selbst willen da; sie ist vielmehr 
nur Mittel zur Erreichung eines außerhalb der Zahlenwelt 
gelegenen Zweckes. Subjekt der Geldrechnung ist nicht der 
Rechenkünstler, sondern das Kind, das sein Taschengeld ver- 
waltet; die Hausfrau, die mit dem Wochengeld auskommen muß; 
der Unternehmer, der überlegt, wieviel Geld er in seinen Betrieb 
hineinstecken darf; kurz: der Ökonom, der wirtschaftende 
Mensch. Die Einheit Mark, mit der ich rechne, ist durchaus 
wesensverschieden von der Einheit Meter oder Tonne. Diese 
dienen mir in der Regel zu schlichter Erkenntnis irgendwelcher 
Raum- oder Gewichtsverhältnisse, zu einfachen Messungen, theo- 
retischen Größenfeststellungen. Nicht so die Mark: sie bildet 
für mich den Maßtab einer ganz bestimmten Werthaltung, und 
nicht nur für mich, sondern sie ist der zahlenmäßige Ausdruck 
übereinstimmender quantifizierter Schätzungen aller Glieder einer 
„Bewertungsgesellschaft“ (Soda, Stephinger). 
Der „isolierte Wirt“ (Robinson, Einsiedler) kann das Ver- 
hältnis seiner Lebensbedürfnisse zu den naturgegebenen .Mög-
	        
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