Object: Die Entwickelung zum Socialismus

oder Kohlenbergwerke zur Arbeit und zwar häufig auf 
geradezu unwahrscheinliche Entfernungen von ihren 
Wohnsitzen.*) 
Vor einiger Zeit z. B. befanden wir uns in Assche, 
einem friedlichen flämischen Marktflecken, nordwestlich 
von Brüssel, mehr als 60 Kilometer vom Kohlengebiet. 
Als wir dort unter den Landleuten, die sich, angezogen 
durch die Klänge unseres socialistischen Musikcorps, auf 
dem Marktplatz versammelt hatten, mehrere bemerkten, 
die in dem Gesichte die für Bergwerksarbeiter so 
charakteristischen blauen Pulverspuren trugen, erfuhren 
wir auf unsere Frage, ob sie früher in den Kohlenberg 
werken gearbeitet hätten, die Antwort : „Wir arbeiten noch 
dort ! Wir fahren jeden Morgen von Assche nach Brüssel- 
Nord, von Brüssel-Nord mit der Ringbahn nach Brüssel- 
Midi und von Brüssel-Midi nach Charleroi, und alle Abend 
kehren wir auf demselben Weg nach Hause zurück.“ 
Nach der Auskunft, die uns das Eisenbahnministerium 
gegeben hat, giebt es im Arrondissement Brüssel und be 
sonders im Arrondissement Alost (Ost-Flandern) Tausende 
von Arbeitern, die ungefähr unter denselben Bedingungen 
leben: io Stunden im Bergwerk, 2 Stunden Eisenbahn 
fahrt des Morgens zur Arbeitsstätte, 2 Stunden mit dem 
Zuge wieder zurück und häufig noch einen längeren Fuss- 
marsch bis zu ihrem Dorfe. 
Man fragt sich mit Entsetzen, was denn bei einem 
solchen Leben noch von Menschlichkeit und Menschen 
würde übrig bleiben kann, wenn jeder Augenblick dem 
Broterwerbe gewidmet sein muss. Und doch tragen solche 
Leute, unbewusste Prometheen, den Funken heim, den sie 
vom socialistischen Herdfeuer nahmen, entzünden sie bis 
in das letzte Dorf hinein die grosse Flamme der Hoffnung 
auf eine bessere Zukunft. 
*) Vergl. meinen Artikel: Les villes tentaculaires (Revue 
d’Economie politique, April 1899).
	        
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