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zwanzig Jahre vorher für einen lächerlichen Preis zu haben
war, erreichte ganz plötzlich einen bedeutenden Wert
und stieg im Laufe der Zeit, aus denselben Gründen,
aber in beschleunigtem Tempo, auf einen Wert von Hun-
derten von Millionen Dollar. Unter diesen Umständen
ist es nicht verwunderlich, daß die reichsten Grundbesitzer
zuerst in New York auftauchten und daß sie imstande
waren, ihre Vormacht zu halten.
Der Reichtum der Grundbesitzer stellte den der Reeder
bald vollständig in den Schatten. So enorm die Verdienste
der Reeder waren, sie galten nur für den Augenblick.
In dem Kampfe um Reichtum mußten die Reeder not-
wendig ins Hintertreffen geraten. Ihr Gewerbe brachte
besondere Unsicherheiten mit sich. Die Zufälle des Meeres,
die Schwankungen und Wechselfälle des Handels, der erbit-
terte Konkurrenzkampf jener Zeit brachten für ihre Ge-
schäfte immer neue Umwälzungen. Viele der reichen Reeder
sahen das sehr wohl ein und legten die Überschüsse ihres
aus dem Handel gewonnenen Vermögens in Boden, Banken,
Fabriken, Chausseen, Versicherungsgesellschaften, Eisen-
bahnen und zuweilen in Lotterien an. Die Reeder-Millio-
näre aber, die sich ausschließlich auf den Seehandel legten,
sanken in der Skala der reichen Klasse, besonders als die
Zeit kam, wo fremde Reeder sich in weitem Maße des bis
dahin in amerikanischen Kuttern betriebenen Handels
vbemächtigten. Andere Reeder, die ihre Überschüsse in an-
deren Zweigen des Handels oder in Grundbesitz anlegten,
kamen rapid in die Höhe.
Städtischer Grundbesitz als Hautttfaktor
Zwischen Grundbesitz und anderen Geschäften bestand
jedoch ein großer Unterschied. Die Wirtschaft war damals
bis zum äußersten individualistisch, an den Einzelnen ge-
Sunden; das Kunstgebilde der Aktiengesellschaft lag noch
in den ersten Anfängen. Die Erben eines Besitzers von
sechzig Handelsschiffen besaßen möglicherweise nicht
denselben Fleiß, dieselbe Geschicklichkeit, dieselbe Ge-
wandtheit, dieselbe List — um Nicht zu sagen die-