Die Sibirische, transandische und Tehuantepecbahn.
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Der Plan der transandinischen Bahn reicht bis 1886 zurück. Von Mendoza, bis
wohin von Buenos Aires damals schon das argentinische Bahnnetz reichte, sollte sie west
wärts über den berühmten, stets vielbenutzten, hohen Uspallatapaß (3967 rn über dem
Meer) nach Chile führen. Doch ließen finanzielle Schwierigkeiten das mehrfach in Angriff
genommene, kostspielige Projekt stets aufs neue scheitern, und erst in der jüngsten Zeit
gelang die Durchführung des Gedankens. Die Bahn ist nicht über den Paß selbst geführt
worden, sondern durchbricht das Hochgebirge unterhalb des Passes in zwei gewaltigen,
5067 bzw. 3/30 in langen Tunnels in 3188 in Meereshöhe. Zur Erreichung der großen
Höhe, der auf beiden Seiten des Gebirges ein ziemlich rascher Abfall folgt, dient der Zahn
stangenbetrieb nach dem System Abt; die Steigung beträgt im Maximum 1:12,5. Zum
Schutz gegen Schneeverwehungen im Winter ist die im Hochgebirge verlaufende Bahn viel
fach in sogenannten Tunnelgalerien geführt worden.
Ter Durchbruch des großen Tunnels erfolgte nach Überwindung sehr großer Schwierig
keiten Ende November 1909; die Betriebsübergabe der Strecke fand am 5. April 1910 statt.
MitHilfe dieser ersten südamerikanischcn Überlandbahn kann die Reife zwischen Buenos
Aires und Valparaiso über den Uspallatapaß, der früher auf Maultieren überritten werden
mußte, jetzt günstigenfalls in 29 Stunden zurückgelegt werden. Hinderlich für eine glatte
Reise, hinderlich vor allem für den Gütertransport ist die mehrfach wechselnde Spurweite:
in der argentinischen Ebene beträgt diese 1,686 in, in Chile 1,678 in, auf der Gebirgsstrecke
hingegen herrscht die Meterspur. Trotzdem hat die Überlandbahn für Südamerika eine
wahre Verkehrsumwälzung mit sich gebracht. Kein Reisender, der von den Ländern des
Atlantischen Ozeans nach Chile, Peru, Bolivien usw. reisen will, wird natürlich heute noch
die gefürchtete Schiffahrt durch die Magelhaensstraße wählen; auch die Post wird stets die
schnelle Fahrt auf der transandinischen Bahn vorziehen, und nur der Güterverkehr kann
bis auf weiteres die Reise um die Südspitze von Amerika herum wegen ihrer größeren
Billigkeit noch nicht entbehren. •— Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß
die südamerikanische Bahn in der Abwickelung des Weltverkehrs fast dieselbe Bedeutung
hat, wie die großen Pazifikbahnen Nordamerikas, obwohl der Wechsel der Spurweite not
wendig eine fühlbare Beeinträchtigung darstellt.
Außer dieser transandinischen Bahn ist in Amerika seit dem Beginn des 20. Jahr
hunderts nur noch an einer Stelle eine hochwichtige Überlandverbindung von Ozean zu
Ozean zustande gekommen, die freilich nur den Neu- und Umbau einer bereits seit längerer
Zeit vorhandenen, älteren Bahn darstellt. Es ist die sogenannte Tehuantepecbahn in
Mexiko. Ter Isthmus von Tehuantepec (Tehuantcpec---Jaguarhügel) bildet die engste Ein
schnürung der mittelamerikanischen Landenge im Norden. Er hatte schon Cortez' Auf
merksamkeit als bequemer Übergang vom einen Ozean zum andern erregt, und Alex, von
Humboldt bezeichnete ihn als „natürliche Brücke des Welthandels". Zeitweilig hatte
man daran gedacht, hier einen Kanal zwischen beiden Ozeanen zu graben, der ungleich wert
voller gewesen wäre als in den erheblich weiter südlich gelegenen Isthmen von Nikaragua
und Panama. Doch war die Wasserscheide zu hoch (224 na), obwohl gerade an dieser
schmalen Stelle die sonst in Mexiko z. T. sehr hohen Gebirgszüge eine merkliche Erniedri
gung erfahren. Das Kanalprojekt ist daher nie über eine allgemeine Erörterung hinaus
gediehen. Wohl aber baute man, nach jahrzehntelangem, durch die vielen Unruhen des
Landes immer wieder unterbrochenen Plänen, eine Eisenbahn über den Isthmus, zwischen
Coahacoalcos undSalinaCruz. Sie wurde am II.SePtember 1894eröffnet,warabcrzunächst
wenig leistungsfähig, bis die berühmte englische Firma S. Pearson and Son Ltd. sich die
Konzession auf eine neue, vollwertige Bahn an der gleichen Stelle erteilen ließ, die mit
einem Kostenaufwand von 15 Millionen mexikanischen Dollars auch gebaut wurde, wozu noch
40 Millionen mexikanische Dollar Kosten für den modernen Ausbau der Endhäfen hin
zukamen. Die beiden Endhäfen, Coatzacoalcos (seit 1907 Puerto Mexiko geheißen) und Salina
Cruz, entsprechen jetzt allen Anforderungen eines hochgesteigerten Verkehrs und ermöglichen
es u. a., daß die Schiffe ihre Waren unmittelbar durch die Decken der Eisenbahn-Güter
wagen in diese Hineinladen bezw. ihnen entnehmen. So vermittelt die Eisenbahn heute
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