V. Tlieil. Statistik der Sterblichkeitsverhältnisse.
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dieser Personen gross genug ist, um eine bemerkbare Mehr
sterblichkeit hervorzurufen und dass sie zum nicht geringen
Theile aus solchen besteht, deren Krankheiten einen sehr lang
samen Verlauf nehmen, oder deren Krankheiten sich sehr
langsam entwickeln, so ergiebt sich ganz von selbst, dass die
Sterblichkeit mit der Versicherungsdauer sich annähernd so
gestalten muss, wie sie in der obigen Uebersicht ausgesprochen
ist. Denn die relative Sterblichkeit der ursprünglich gesunden,
d. h. gut ausgewählten Personen wird genau den Verlauf
nehmen, welcher für die oben betrachtete Gesellschaft (ohne
Abgang) festgestellt wurde, also stetig, erst rapid, dann immer
langsamer steigen, um schliesslich in ein constantes Verhält
nis zu der erwartungsmäsigen (den wirklich vorhandenen
Altersverhältnissen entsprechenden, durchschnittlichen) Sterb
lichkeit überzugehen ; die Sterblichkeit der schlecht Ausgewählten
aber wird erst nach einiger Zeit und dann nur vorübergehend
zur Geltung kommen (weil diese Personen rasch absterben),
so dass die gesammte relative Sterblichkeit erst eine rapidere
Steigerung, wie die der ursprünglich Gesunden, und dann, je
nachdem die vorübergehende Mehrsteigerung eine stärkere oder
schwächere war, eine verlangsamte Steigerung oder einen ge
radezu umgekehrten Verlauf (von einem Maximum herab)
zeigen muss. Zur Beurtheilung der Frage, ob diese letztere
oder die Sprague’sche Erklärungsweise als die richtigere anzu
sehen ist, werden die nachfolgenden Beobachtungen der Gothaer
Bank einen bescheidenen Beitrag liefern.
Die Anwendung des Sprague’schen Verfahrens auf das
Gothaer Material ist insofern mit Schwierigkeiten verknüpft,
als es eigentlich gänzlich an brauchbaren deutschen Vergleichs
listen fehlt. Die Brune’schen Tafeln geben ebenso wie die
deutschen Volkstafeln für die meisten Alter eine höhere Sterb
lichkeit an, als Gotha, und die englischen Listen passen deshalb
nicht, weil in diesen der Verlauf der Sterblichkeit mit dem
Alter überhaupt ein anderer ist. Indessen handelt es sich bei
Untersuchungen der hier fraglichen Art doch hauptsächlich
nur darum, den relativen Verlauf der Sterblichkeit mit der
Versicherungsdauer kennen zu lernen, und dieser wird auch
bei Anwendung von Sterblichkeitslisten genügend hervortreten,
welche die Sterblichkeit zu hoch oder zu niedrig angeben,
vorausgesetzt nur, dass die bezügliche Mehr- oder Mindersterb
lichkeit für die ganze Tafel annähernd dieselbe Höhe hat. In wie
weit der letzteren Bedingung bei den folgenden Rechnungen wirklich
Genüge geleistet worden ist, zeigt die nachstehende Uebersicht.
In derselben sind die Sterblichkeitsprocentsätze der einzelnen
Summenklassen sowie die Differenzen zwischen diesen und den
entsprechenden der herangezogenen Vergleichslisten angegeben.
Tabelle 6.
Verlauf der Sterblichkeit anderer Listen gegen Gotha.
Alters
klasse
21—25
26—30
Si-35
36—40
41—45
46—50
Si-55
56—60
61 — 65
66—70
71—75
76—80
81-85
86— go
Gotha
(Männer und
Frauen)
Sterblichkeits-
proeentsatz
0,82
0,61
0.68
0,84
1,01
I ,36
1,80
2,77
4,05
6,24
9,10
13,17
19,33
29.35
Der
entsprechende
Sterblichkeits-
procentsatz
der 17 engl.
Gesellsch.
ist höher (+)
oder
niedriger (—)
4~ 0,15
+ 0,21
4“ 0,22
+ 0,15
+ 0,12
+ 0,07
-j- 0,05
0.14
0.29
1,15
1,45
2,4.3
— 4.68
Der
entsprechende I
I’rocentsatz nach
Brune Männerj
ist höher (+)
oder
niedriger (—)
4~ 0,04
+ 0,10
+ 0,18
+ 0,26
+ 0,34
+ 0,38
+ 0,38
4~~ 0,33
-j- 0,53
+ 0,28
~r 0,75
0)49
4~ 3- 97
Gotha
Männer unter
3000
0,80
0,80
0,75
0,91
1,09
1,42
2,06
2,94
4,21
6,21
9,27
13,24
U,««
37,2«
Der
entsprechende
Procentsatz
nach Behm ist
höher (+)
oder
niedriger (—)
— 0,01
0,08
4~ O,io
H- 0,13
4“ 0,21
4 _ 0,19
T" 0,14
4~ °,09
4“ 0,29
0,37
1,70
0,68
1.29
Gotha
Männer
3000 — 6000
0,56
0.49
0,62
0,80
1,03
1,34
1,81
2,63
4.05
6,27
8,78
I3,»l
19,98
26,54
Der
entsprechende
Procentsatz nach
Brune Männer
ist höher (+)
oder
niedriger (—)
Gotha
Männer über
6000
4~ °,io
4~ 0,22
r 0,24
4- 0,30
f - 0,32
4- 0,40
4~ 0.43
-j- 0,47
4- 0,53
4“ 0,25
4- Ci«
0,39
— 1,14
+ 6,70
0,44
0,63
0,73
0,88
1,31
1,81
2,80
4-08
6,71
9,98
13,00
21,73
22,08
Der
entsprechende
Procentsatz nach
H o y in ist
höher (+)
oder
niedriger (—)
4~ 0,73
4~ 0,41
4“ 0,37
4“ 0,38
4~ 0.48
“T 0,3 2
4- 0,42
4- 0.40
4~ 0,69
4~ 0.58
4- 1,25
4" 2,83
— 0,47
— 9,9«
Die Differeuzcolumne für Brune und Gotha »Männer über
haupt« sowie die für Brune und Gotha »Männer 3000 — 6000«,
weisen, namentlich wenn man an den Stellen, wo grössere
Schwankungen Vorkommen, sich die Resultate der neben ein
ander liegenden Altersklassen zusammengefasst denkt, ziemlich
constante Differenzen auf, die Differenzencolumne für Ileym und
Gotha »Männer über 6000« dagegen Differenzen, welche unter
mannigfachen Unregelmäsigkeiten im Ganzen genommen, mit
dem Alter langsam an wachsen. Ein bedeutend ungünstigeres
Verhältniss zeigt sich zwischen Gotha »Männer unter 3000« und
Dehrn ; doch fand sich für den Vergleich keine passendere Liste.
Als geradezu unbrauchbar für den hier in Rede stehenden Zweck
erscheint die Tafel der 17 englischen Gesellschaften, wo die
Differenzen fast ganz gesetzmäsig von beträchtlichen positiven
Wer then in hohe negative übergehen; diese Tabelle ist aber
auch nur angewendet worden, um eine Verbindung mit den
bereits mitgetheilten englischen Ergebnissen herzustellen. Um
die Bedeutung variabler Differenzen richtig beurtheilen zu können,
muss man übrigens berücksichtigen, dass die Differenzen der
jüngeren Altersklassen hauptsächlich die wahrscheinlichen
Sterbefälle der jüngsten Versicherungsjahre, die der höheren
Altersklassen hauptsächlich die der höchsten Versicherungsjahre
beeinflusst, dass also eine anfängliche Mehr- und eine spätere
Mindersterblichkeit der Vergleichsliste (anfängliche -j- Differenz
und spätere — Differenz), die wahrscheinlichen Sterbefälle der
jüngeren Versiclierungsjahre zu gross und die der höheren zu
klein, und dementsprechend den Procentsatz der wirklichen
Sterblichkeit von der wahrscheinlichen (Col. [e] in der lab. 5)
anfänglich relativ zu niedrig und später relativ zu hoch er
scheinen lässt — und umgekehrt.
Es sollen nun die für »Gotha überhaupt«, tür »Gotha.
Männer« und für die einzelnen Summenklassen erlangten Re
sultate folgen.*) Um einen Vergleich zwischen der relativen
*) Die wahrscheinlichen Sterbefälle der verschiedenen Uebersicht en sind
unter Zugrundelegung der in den Tabellen XXX, XX\ 111, XXXI—XXXIII