Contents: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Wintergrün 
482 
W ismutverbindungen 
Frankreich, Italien und England sind wildarm, 
Schweden, Rußland und Österreich ziemlich wild 
reich. W. wird stückweise, nur Federwild paar 
weise oder zu vier und mehr Stück, verkauft und 
meist ohne Verpackung verschickt. Es muß, 
nachdem es ausgenommen worden ist, im Balg 
oder abgehäutet, Federwild stets im Federkleid 
an der Luft aufbewahrt werden. Ausgelöste 
Fleischstücke von Reh und Hirsch lassen sich 
längere Zeit in saurer Milch aufbewahren, hin 
gegen muß zerschossenes Federwild und Wasser 
geflügel rasch verbraucht werden. In Eisräumen 
hält sich alles W, sehr lange. 
Wintergrün (Immergrün, lat. Herba vincae 
pervincae, frz. Feuilles de pervenche, engl. Ever 
green) ist das immergrüne Kraut von Vmca 
major und minor, einer zur Familie der Apo 
zynazeen gehörenden Pflanze mit elliptischen,, 
harten und glänzenden Blättern, die an der 
Unterseite heller grün sind als an der Oberseite. 
Das über Mitteleuropa und Asien verbreitete 
Kraut , wächst , an trockenen,, schattigen Stand 
orten und wird als Aufguß zu Gurgelwässern an 
gewandt. Die aus Amerika eingeführte Droge, 
amerikanisches Wintergrün, ist die Stamm 
pflanze des Gaultheriaöls (s. d.). 
. Wismut(Asc h bl ei,lat. Bismutum,frz. Bismuthe, 
engl.Bisrriuth), ein dem Arsen und Antimon ver 
wandtes, metallisches Element vom Atomgewicht 
Bi = 208—209, findet sich in der Natur haupt 
sächlich gediegen, seltener in Verbindung mit 
Schwefel als Wismutglanz, mit Tellur als 
Tetradymit und mit Sauerstoff als Wismut 
ocker. Meist kommt es in Gesellschaft von Ko 
balt-, Nickel-, Blei- und Silbererzen vor und ent 
hält neben den Bestandteilen der letzteren oft 
auch noch kleine Mengen Arsen, Eisen, Zinn 
und Kupfer. Bis zum Jahre 1876 kamen seit der 
Erschöpfung der englischen Lager nur die sächsi 
schen W.-Vorräte in Betracht. Neuerdings ver 
arbeiten die sächsischen Blaufarbenwerke in 
Oberschlema und Pfannenstiel hauptsächlich kup 
ferhaltige W.-Erze aus Australien und arsenfreie, 
aber Kupfer und Antimon enthaltende Erze aus 
Bolivia und Peru, von denen die letzteren bis zu 
94% W. enthalten. Die Erze werden vor der 
Verhüttung in schräg liegenden Röhren erhitzt, 
um das sehr leicht schmelzbare gediegene W. 
auszusaigern, und darauf mit Kohle, Eisen und 
einem Flußmittel (Schlacke) zusammengeschmol 
zen, wobei das Eisen den Schwefel bindet und 
mit den übrigen Verunreinigungen in die Schlacke 
geht. Das in flüssigem Zustande abgelassene sog. 
technische oder Rohwismut kann, sobald die 
Summe seiner Verunreinigungen nicht mehr als 
5 °/o beträgt, für die meisten Zwecke benutzt wer 
den. Anderenfalls unterwirft man es einer Reini 
gung, indem man das gröblich zerstoßene Metall 
mit einem Gemisch von Kali- und Natronsalpeter 
oder mit Soda und Kaliumchromat schmilzt und 
die ausgegossene Schmelze zunächst mechanisch 
und darauf durch Behandlung mit verdünnter 
Salzsäure von der Schlacke befreit. Um aus 
diesem gereinigten W. (Bismutum depura- 
tum) das reine Metall (B. purum) zu gewinnen, 
löst man in Salpetersäure, trägt die Lösung in 
Ammoniak ein und reduziert das ausgefällte 
Hydroxyd durch Kochen mit Traubenzucker oder 
durch Glühen mit Kohle. — W. ist ein rötlich--1 
silberweißes, großblättrig kristallisierendes Metall 
vom spez. Gew. 9,900. Es schmilzt bei 268° und 
verdampft bei Weißglühhitze (etwa 1300 0 ). Wegen 
seiner Brüchigkeit und Sprödigkeit läßt es sich, 
wie das ähnliche Antimon, im Eisenmörser pulve 
risieren. Bei gewöhnlicher Temperatur verändert 
es sich an trbckner Luft nicht, verbrennt aber 
beim Erhitzen zu weißem Oxyd. An feuchter 
Luft wird es blind und durch Schwefelwasser 
stoff gebräunt. Das W. löst sich nicht in Salz 
säure, hingegen leicht in Salpetersäure und in 
heißer konzentrierter Schwefelsäure unter Ent 
wicklung von schwefliger Säure. — Das metalli 
sche Element findet hauptsächlich in Form seiner 
Legierungen, die meist sehr niedrige Schmelz 
punkte zeigen, technische Verwendung. Eine 
Legierung von 50 Teilen W., 30 Teilen Blei und 
20 Teilen Zinn, das sog. Rosesche Metall, 
schmilzt bei 92 °, nach Zusatz von 2 Teilen Queck 
silber sogar schon bei 55°. Newtons Metall 
mit 8 Teilen W., 5 Teilen Blei und 3 Teilen Zinn 
schmilzt bei 94,5°, Woods Metall mit 15 Teilen 
W., 8 Teilen Blei, 4 Teilen Zinn und 3 Teilen 
Kadmium bei 60°. Derartige Legierungen dienen 
zum Abklatschen (Klischees) von Holzschnitten 
zu Stereotypplatten, Druckformen für Zeugdruck 
und zu Münzabgüssen, ferner als Schneilot für 
Klempner, Zinngießer und Orgelbauer, als Metall 
kitt und zur Herstellung von Sicherheitsver 
schlüssen für Dampfkessel. 
Wismutverbindungen. Die Lösungen der W-- 
Salze geben mit viel Wasser Niederschläge von 
basischen Verbindungen, die zum Unterschiede 
von den entsprechenden Antimonverbindungen 
in Weinsäure unlöslich sind. — Wismutchlorid, 
BiClj, entsteht beim Auflösen von Wismut in 
Königswasser oder beim Überleiten von Chlor 
über erhitztes Wismut als eine weiße, an der 
Luft zerfließliche Kristallmasse, die bei 220* 
schmilzt und bei 447 0 siedet. Aus der konz- 
salzsauren Lösung wird durch Wasser unlösliches 
Wismutoxychlorid, BiOCl, gefällt, das als 
weiße Malerfarbe Verwendung findet. — Wis 
mutnitrat, Bi(NO;j)3 (lat. Bismutum nitricum, 
frz. Nitrate bismuthique, engl. Bismuth Nitrate), 
wird durch Auflösen von Wismut in heißer kon 
zentrierter Salpetersäure und Eindampfen der fil 
trierten Lösung bis zur Kristallisation dargestellt. 
Es bildet farblose Kristalle, die fünf Mojeküle- 
Kristallwasser enthalten und bei 73 ® schmelzen- 
Bei 8o° gehen sie in das basische Salz über und 
zersetzen sich bei 260°. — Durch Einträgen in 
siedendes Wasser erhält man basisches Wis 
mutnitrat (lat. Bismutum subnitricum, frz. Sous- 
azotate de bismuthe, engl. Subnitrate of bismuth) 
von wechselnder Zusammensetzung, das abfih 
triert, ausgewaschen und vorsichtig bei 30 0 unter 
Abschluß von Schwefelwasserstoff getrocknet wird. 
Das schneeweiße, lockere, kristallinische Pulver 
ist völlig geruchlos, unlöslich in Wasser, Alko 
hol und Glyzerin, hingegen leicht löslich in ver 
dünnten Säuren. Es findet ausgedehnte medizi 
nische Anwendung als Streupulver bei der Wund 
behandlung, zum Einblasen in den Kehlkopf und 
zum Geruchlosmachen jauchiger Wunden, sowie 
innerlich gegen Dysenterie, Darm- und Magen 
leiden. In der Technik dient es unter dem 
Namen Wismutweiß, Perlweiß, Spanisch- 
weiß und Schminkweiß als SchminkmitteL
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.