Object: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Das Arbeitseinkommen. 
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auch schon allgemein ein Sinken der Leistungsfähigkeit und des 
Lohnes bei den männlichen Arbeitern um das qo. Lebensjahr fest 
gestellt haben. Innerhalb der einzelnen Arbeiterkategorien, soweit 
sie sich nicht gegenseitig ersetzen können, spielt sich wieder Angebot 
und Nachfrage für sich ab; der „Markt" der hochgelernten Mon 
teure oder Bierbrauer ist ein ganz anderer als der der jugendlichen 
Hilfsarbeiter. Auf dem gesäurten Arbeitsmarkt wie auf den ein 
zelnen „Spezialmärkten" drängen die Arbeitsuchenden dorthin, 
wo die größte Nachfrage ist und die höchsten Löhne gezahlt werden; 
ein solches ständiges Fluktuieren findet von Gewerbe zu Gewerbe 
wie von ®rt zu <Vrt statt. Der Zustrom geht weiter, bis die Nach 
frage durch das Angebot erreicht oder gar überboten wird; damit 
sinkt dann der Lohn, und das Angebot wendet sich wieder anderen 
Märkten zu. Schließlich wird es so knapp, daß der Lohn wieder 
erhöht werden muß, um die Lücken auszufüllen, und so wieder 
holt sich das Spiel immer von neuem. Das gilt nicht nur für die 
Landarbeit, sondern auch für die höheren und selbst die „studier 
ten" Berufe. Immer wieder w>rd vor dem Zuzug zu einzelnen 
solchen Berufen, der Medizin, dem Postfach, der Theologie von 
Zeit zu Zeit gewarnt, weil sie überfüllt seien: einzelne gut organi 
sierte akademische Stände wie die Zlrzte versuchen sogar, eine 
Regelung und Einschränkung des örtlichen Angebots durch Ver 
hinderung des Zuzugs. Das hält natürlich 2lrbeitsuchende nicht 
ab, dennoch ihr Glück zu versuchen, namentlich dann, wenn noch 
weitere Umstände die fragliche Stellung besonders begehrenswert 
erscheinen lassen. So üben die akadennschen Berufe aus leicht 
begreiflichen Gründen diesen Reiz in einem solchen Maße aus, 
daß die Gefahr der Entstehung eines breiten akademischen Prole 
tariats unter den jetzigen Umständen sehr groß ist. Bei den Hand 
arbeitern hat das städtische Leben eine ähnliche verhängnisvolle 
Anziehungskraft, so daß das verödete Land zu gleicher Zeit die 
bittersten Klagen über Arbeitermangel vernehmen läßt, während 
in der Stadt nicht weniger hefjig über Arbeitslosigkeit geklagt 
wird. 
Insofern ist der Mensch eben keine Mare, als er nicht ein 
bloßes Gbjekt der Wirtschaft, sondern ein fühlendes, und zwar oft 
sehr lebhaft fühlendes Wesen ist. Er läßt sich nicht versenden wie 
Zucker oder Goldbarren, um den jeweils zahlungsfähigsten Markt 
aufzusuchen, sondern er wird durch psychologische vor- 
st e l l u n g e n aller Arten, Anhänglichkeit an die Familie, Be-
	        
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