Full text: Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

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„Soziologisieren“ bezeichnet habe, jene Tendenz nach 
dem Begreifen von möglichst Vielem an uns, von 
Recht, Religion, Moral, Kunst, Politik, Wirtschaft, 
ja selbst von Logik und psychischen Erscheinungen, 
aus der Soziologie heraus. Die Analyse des Kultur 
phänomens ist der Leuchtturm, auf den ganze Flotten 
verschiedensten Charakters auf den verschiedensten 
Kursen zusteuern. Und eine Epoche, die dem 18. .Jahr 
hundert in Vielem gleicht, kündigt sich an. 
Zu einem solchen Sturmlauf hat unsere Zeit wohl 
manche Qualifikationen: Erstens ist da die Frucht 
einer vorwiegend der Detailforschung, Kritik und 
Materialsammlung gewidmeten Periode zu nennen, 
die vor uns objektive Möglichkeiten der Analyse 
ausbreitet, die noch junge Vergangenheit nicht hatte 
und die nur zum geringsten Teil ausgebeutet sind. 
Da gibt es viel zu tun und fast könnte man sagen, 
daß selbst verfehlte Gestaltung dieses Materials 
besser ist als keine, denn wenn es erst einmal zu 
sprechen begonnen, wird sich jeder Fehlgriff von 
selbst korrigieren — bis dahin aber lebt es ein 
Schattendasein. Zugleich ist dieses Material ein wirk 
samer Damm gegen Ausschreitungen: In vielen 
Dingen wissen wir einfach, wo das 18. Jahrhundert 
nur vermuten konnte, und in vielen anderen ist der 
Analyse ein ganz bestimmter Weg gewiesen. Zwei 
tens unterscheiden sich unsere theoretischen Hilfs 
mittel nicht weniger von denen der Vorzeit wie un 
sere Materialien. Da sind viele Wege gebahnt, auf 
denen es frisch vorwärtsgehen kann. Drittens kommt 
Hilfe von außen in Betracht: Die Biologie hat uns
	        
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