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hätte glauben können, daß sie ein ganz belangloses Ge-
spräch führten. In Wirklichkeit aber bot Frick ihm
Millionen in erstklassigsten Sicherheiten für einen ganz
bestimmten Plan an.
Kaum war Frick gegangen, da kam ein kleiner
Mann mit schnellen, nervösen Schritten herein. Mor-
gan begrüßte ihn mit einem Kopfnicken. Der Besucher
war E. H. Harriman, der ihm ebenfalls seine Beteili-
gung an der Hilfeleistung anbot. In ähnlicher Weise
suchten im Laufe des Vormittags zehn bis fünfzehn der
größten New Yorker Kapitalisten Morgan auf. Alle
empfing er mit derselben Ruhe, obwohl er wußte, daß
sie zu ihm als zu ihrem Führer kamen. Als letzter er-
schien James Stillman, der Präsident der National
City Bank. Morgan begrüßte ihn ganz beiläufig und
ging dann mit ihm in ein anderes Zimmer.
Auf der anderen Seite von Wall Street führten in-
zwischen die Beamten der Filiale des Schatzamtes die
Anweisungen aus, die sie von dem Schatzsekretär
George B. Cortelyou erhalten hatten. Cortelyou be-
absichtigte, bei den Nationalbanken des Landes 150
Millionen Dollar aus dem Fonds der Regierung zu
hinterlegen. Es war allerdings noch fraglich, wie die
Banken die vom Gesetz vorgeschriebene Sicherheit
für die Hinterlegung dieser Depositengelder aufbringen
sollten. Schließlich wurde ein Abkommen getroffen,
daß die Banken von Sparkassen und Privatleuten grö-
Bere Mengen Regierungsschuldverschreibungen als
Darlehen zu empfangen berechtigt waren. John D.
Rockefeller zum Beispiel stellte für diesen Zweck
10 Millionen in Regierungsschuldverschreibungen zins-
los zur Verfügung,
So wurden den Banken insgesamt 12 Millionen die-
ser Verschreibungen überlassen. Inzwischen hatte sich
Morgan mit Stillman und noch einigen anderen ge-
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