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lich war er von unglaublicher Filzigkeit. In ihm vereinigte
sich die kleinliche Schacherseele des Kaufmanns mit der un-
geheuren Raubgier der Magnaten. Wenn er bei seinen
großen Betrügereien viele Millionen mit einem Griff ein-
steckte, merkte er es sofort, wenn ein paar Cent oder Dollar
fehlten. Sein Erwerbssinn war aber durch die lange Ent-
wicklung so ausgeprägt, daß er weit über die Grenzen der
Passion hinausging und zur Monomanie geworden war.
Vanderbiltis Charakteristik
Er beherrschte ihn dermaßen, daß er, selbst als er schon
100 Millionen Dollar sein eigen nannte, noch immer um
jeden Dollar feilschte und seine Freunde auf die niedrigste
und hinterlistigste Art betrog. Freunde im wahren Sinne
des Worts hatte er nicht; diejenigen, die sich selbst als seine
Freunde betrachteten, waren kühle Naturen, die größten-
teils nur aus Berechnung handelten. Aber wenn sie hofften,
aus dieser Intimität Gewinn zu ziehen, waren sie in einem
großen Irrtum; sie entdeckten im Gegenteil fast immer,
daß sie in irgendeine Falle gegangen waren, und um eine
Erfahrung reicher, aber mit kleinerem Geldbeutel, waren sie
froh, wenn sie sich in eine sichere Entfernung von dem alten
Manne zurückziehen konnten. „Freunde wie Feinde,‘
schrieb ein Bewunderer unmittelbar nach seinem Tode,
„standen in seiner Wertschätzung gleich, und wenn ein
Freund es wagte, ihm den Weg zu verstellen, war er ge-
zwungen, sich zu wehren.“
Einmal, so wird erzählt, als ein politischer Kandidat eine
Unterstützung erbat, gab Vanderbilt ihm 100 Dollar und
eine gleiche Summe für einen Freund, der ebenfalls an der
New Yorker Zentraleisenbahn beteiligt war. Wenige Tage
später unterrichtete Vanderbilt diesen Freund von seinem
Vorgehen und verlangte die 100 Dollar zurück. Das Geld
wurde bezahlt. Nicht lange darauf wurde dieser Freund
ebenfalls um eine politische Unterstützung angegangen,
worauf er 100 Dollar gab und den gleichen Betrag für Van-
derbilt auslegte. Als Vanderbilt aufgefordert wurde, die
Schuld zu bezahlen, weigerte er sich und schloß die Unter-