Full text: Tote und lebendige Wissenschaft

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schäftsfreund des Wiener Wirtschafters in Linz oder in Zürich 
wohnt — das ist dann ganz gleichgültig. Vom rein wirtschaft 
lichen Standpunkte aus ist es ein durchaus willkürlicher Schnitt, 
der da gemacht wird: Man könnte auch die Bilanzen aller 
Linzer, aller Züricher, aller australischer Geschäftsfreunde zu 
sammenstellen und miteinander vergleichen — daß gerade jene 
Wirtschafter, die in „Österreich" wohnen, zusammengezählt 
werden, ist danach vollständig irrational. — Es ist immer das 
selbe individualistische Lied: die Wirtschaft entsteht dadurch, 
daß einzelne Wirtschafter ihre Handlungen vollziehen und diese 
Handlungen zusammenstellen! Der ganzheitliche Standpunkt 
ist nun hier ein genau umgekehrter: Nicht die Summierung 
der Privatbilanzen macht die Zahlungsbilanz aus; sondern 
die Zahlungsbilanz — z. B. mittels der durch sie 
bewirkten Bewegung der Valutenkurse — ist die Bedin 
gung, unter der die Privatbilanzen stehen, 
die Bedingung, unter der sie allein diese oder jene Gestalt an 
nehmen können. Wenn infolge der passiven Zahlungsbilanz 
der Preis der Schweizer Franken steigt, dann ist es für den 
Wiener Kaufmann plötzlich nicht mehr gleichgültig, ob sein 
Geschäftsfreund in Linz oder Zürich wohnt, und die arteigene 
Verbundenheit aller österreichischer Wirtschafter in einem ge 
meinsamen Kapital höherer Ordnung (dem Währungswesen) 
kommt plötzlich zur Erscheinung. 
Vom Standpunkte unserer Stufentafel aus erweist sich die 
Zahlungsbilanz als jene Erscheinung, welche die Eigenschaft 
der Volkswirtschaft, mit anderen Volkswirtschaften in organischer 
Verbindung, d. h. Glied der Weltwirtschaft zu sein, zum Aus 
druck bringt. Kurz gesagt, zeigt die Zahlungs- 
und Handelsbilanz die jeweilige glied- 
liche Stellung der Volkswirtschaft in der 
Weltwirtschaft an. Es wäre falsch, zu glauben, daß 
sie nur das Verhältnis des eigenen Geldes — eines inneren
	        
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