II. Der Markt von Lübeck
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dafür spricht, daß hier das Haus der Unternehmer (VI 242 F) lag; dafür
spricht die Bezeichnung: antiquae crambodae am Westrand des Blockes.
Diese älteste Anlage wies demnach 30 Schusterbuden und sicher
mehr als 271%) Krämerbuden auf. Daneben selbstverständlich die
macella panum und carnium*!°), Verkaufsplätze für die Gewandschneider
und Plätze auf dem offenen Markt. Bei einer Erweiterung der Marktanlagen
ijegte man nun die novae crambodae, die Blocks VII, VII, IX, X und XI
an; wieder in der Verbindung von Krämerbuden mit Schusterbuden. Von
den Krämerbuden dienten einige den apothecarii, den Gewürzkrämern, auch
schon den Vorläufern der modernen Apotheker!®), In Block X traten dann
die 8 Wechslerbuden auf. Mit der Anlage der Budenreihen XXI und
XVI11—XIX hat dann der Ausbau des Marktes durch die Unternehmer
seinen Abschluß gefunden. In Block XVIIT saßen die Kerzengießer, in
Block XIX alle jene Berufe, die mit der Herstellung von Waffen und Rüstung
beschäftigt waren. Als Gesämtbezeichnung wird das Wort clipeatores ge-
braucht. Aber wenn sich hier im 14. Jahrhundert auch Rüstungsmacher
(sarwortere), Harnischmacher (harnesmakere), Sattler (sellatores), Leder-
taschenmacher (peratores), ja bereits um 1290 ein Maler (pictor) nachweisen
lassen, so fanden sich eben im Block XIX alle Gewerbe, die dem reisigen
Mann sein Rüstzeug bereiteten: und dazu gehörte auch der als Schildmaler
tätige Maler!°), In engem beruflichem Verhältnis zu den Mietern des Blocks
XIX standen die Kleinschmiede, die in historisch greifbarer Zeit allerdings
nur in der Mitte des Blocks XXI ihre Werkstätten hatten: am Westende
saßen zu Ende des 13. Jahrhunderts auch hier bereits in 268 A, B und C
5 Riemenschneider, während die Nutzungsart der Buden am Ostende
(266 A—264) unbekannt bleibt: nur 266 B bis 267 D, also im ganzen noch
6 Buden, waren um 1300 an Kleinschmiede vermietet.
Die Anlage dieser ganzen Budengruppen hat noch vor dem Anfang des
13. Jahrhunderts stattgefunden, noch zu einer Zeit, da die Unternehmer und
ihre Rechtsnachfolger auf dem Markt überhaupt Buden errichten konnten?!®).
Verhältnismäßig sehr schnell ist also der Ausbau erfolgt; an der Verteilung
der Schusterbuden in den verschiedenen Blocks kann man die Stufen des
Ausbaus etwa verfolgen. Aber auch damit war dem Bedürfnis noch nicht
Genüge geschehen. Als es mit der Tätigkeit der Unternehmer vorbei war,
hat dann die Stadt noch einmal helfen können: die Schuster erhielten in
Block XV, die Schildmacher in Block XX neue Plätze angewiesen !®). Um
das Jahr 1300 hatte dieser städtische Ausbau des Marktes seinen Höhepunkt
erreicht; es ist ein Glück, daß es gerade für diesen Zeitpunkt noch möglich
ist, einen genauen Überblick über die Verhältnisse des Marktes zu geben,
noch einmal einen Querschnitt zu ziehen in diesem fortwährenden Ver-
schieben und Verändern, das noch im 14. Jahrhundert zu neuen, anders-
gearteten Verhältnissen hinüberführt1®?7).