Object : Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Die  Volkswirtschaftslehre.

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mag,  immerhin  weit  über  die  Fassiuigsmöglichkeit  eines  einzelnen
Geistes  hinausgewachsen  ist.  Sie  kann  aber  auch  rein  historische
Ursachen  im  Linzelfall  haben,  die  das  tüefen  der  Wissenschaft
an  sich  nicht  berühren;  wie  etwa  die  Bakteriologie  zu  einem
eigenen  Wissenszweig  erst  werden  konnte,  seit  durch  die  Vervollkommnung ­
  des  Mikroskops  eine  neue  Welt  des  bisher  Unsichtbaren ­
  sich  erschloß,  oder  wie  die  Ausbildung-  der  Wissenschaft  der
Meteorologie  eine  zwingende  Folgerung  des  Siegeszuges  der
Luftschiffahrt  ist.
So  ist  auch  die  Volkswirtschaftslehre  zu  ihrer  Blüte  erst  erwachsen, ­
  man  könnte  sagen  erst  entstanden  aus  einer  praktischen
Forderung,  nämlich  dem  Bedürfnis  des  modernen  Staates  heraus,
Geld  in  die  bfand  zu  bekommen.  Diese  jeweilige  zufällige  Entstehungsursache ­
  hat  aber  nichts,  gar  nichts  mit  dem  Wesen  der
Wissenschaft  zu  tun.  Noch  einmal:  die  Wissenschaft  will  nur  erkennen, ­
  und  insbesondere  die  Wissenschaft  von  der  Volkswirtschaft ­
  will  wittschaftlrche  Zusammenhänge  auffinden,  will  dir
„Gesetze"  der  Wirtschaft  entdecken.  Unter  Gesetz  verstehen  wir
dabei  nicht  eine  Vorschrift,  nach  welcher  das  Wirtschaftsleben  sich
zu  richten  habe,  sondern  die  mit  Sicherheit  beobachtete  oder
logisch  nachgewiesene  stets  wieder  eintretende  Aufeinanderfolge
zweier  Tatsachen.  Das  Greshamsche  Gesetz  besagt,  gutes  Geld
werde  durch  minderwertiges  verdrängt.  Das  will  nicht  etwa
heißen,  daß  dort,  wo  neben  bisherigem  guten  und  vollwertigen
Geld  ein  minderwertiges  mit  gleicher  Rechtskraft  eingeführt  wird,
nun  jedermann  die  Verpflichtung  habe,  'nur  dies  minderwertige
Geld  zu  benutzen;  sondern  es  stellt  die  Tatsache  fest,  daß  dies  geschieht ­
  und  das  gute  Geld  anderweitigen  Verwendungen  (Zahlungen ­
  im  Auslande,  Einschmelzen)  zugeführt  wird.  Freilich
kann  sich  auch  der  Nationalökonom  nicht  völlig  darauf  beschränken, ­
  wirtschaftliche  Vorgänge  in  ihrer  Existenz  und  ihren
Zusammenhängen  nachzuweisen;  er  wird  sich  vielmehr  auch  über
das,  was  geschehen  soll,  über  wirtschaftspo'litische
Fragen  äußern  müssen.  Dabei  ist  nun  wesentlich,  daß  die
Wirtschaft  nicht  Selbstzweck  ist;  die  allgemeinen  Lebenszwecke  der
Menschen,  wie  Philippovich  es  einmal  ausgedrückt  hat,  sind  zielgebend ­
  für  die  Wirtschaftspolitik.  Die  Antriebe  der  Wirtschaftspolitik ­
  liegen  also  außerhalb  der  Wirtschaft  selbst,  die  vielmehr
nur  ein  Mittel  zur  Erreichung  allgemeiner  Aullurideale  ist.  Diese
            
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