Object: Der Weltverkehr und seine Mittel

Wasserstraßen. 
Fluhläufe und Fluhschiffuhrl. 
Mie bereits in der Einleitung hervorgehoben worden ist, wurde die in den Fluß- 
HmS laufen dem Menschen gebotene günstige Transportgelegenheit frühzeitig erkannt 
und ausgenutzt. 
Lange hat sich der große Verkehr in einer Reihe von Ländern, so z. B. 
T auch in Deutschland, vorzugsweise auf den Strömen abgewickelt. 
Die im Beginne der Flußschiffahrt an die Wasserstraßen gestellten An 
forderungen waren erklärlicherweise sehr bescheiden, und dieser Vorgang wiederholt sich 
auch jetzt noch überall in jenen Ländern, welche dem Handel erst erschlossen werden. Die 
Masse der zu verfrachtenden Güter war zunächst keine große und ließ sonach selbst einen 
nur mit einem Boote befahrbaren Wasserlauf noch vorteilhafter erscheinen als einen nur 
schwer passierbaren Saumpfad. 
Die ältesten Nachrichten, welche wir bis jetzt über den Flußverkehr besitzen, beziehen 
sich auf die Flüsse Babyloniens und auf den Nil. Die Steinarmut Babyloniens scheint 
bereits im 4. Jahrtausend v. Chr. den Anstoß zu einer Schiffahrt auf dem Euphrat und 
Tigris, sowie auf dem Persischen Meerbusen gegeben zu haben. Eine umfassende Be 
nutzung der Wasserstraßen dieses Landes trat jedenfalls ein, als der König Chammu- 
ragas (gegen 2000 v. Chr.) Babylon zur Reichshauptstadt machte. Wie aus der Jzdubar- 
legende hervorgeht, war man in jenem Zeitraume mit dem Bau kleiner Wasserfahrzeuge 
und ihrer Lenkung wohl vertraut. Seit Ende des 2. Jahrtausends bediente man sich der 
von Herodot genau beschriebenen korbförmigen, mit Häuten überzogenen Fahrzeuge. —- 
Frühzeitig benutzten die Ägypter zur Fortbewegung ihrer Schiffe sowohl das Ruder als 
das Segel und bewirkten durch zwei oder mehrere schaufelförmige Ruder eine Steuerung. 
Seit der Mitte des 3. Jahrtausends v. Chr. wurde der Nil mit Last- und später auch 
uiit Kriegsschiffen befahren. Herodot berichtet von einer sehr ausgebildeten Schiffahrt 
der Ägypter, die Zahl der Barken und Lastschiffe, die den Nil bedeckten, war eine ganz 
ungewöhnlich große. Auf dem Wasserwege transportierten die Ägypter viele der kolossalen 
Steine, die bei ihren Bauwerken und Anlagen Verwendung fanden, und selbst ein ganzer 
Tempel wurde auf diese Weise an seinen Bestimmungsort geschafft. Mit der Nil 
überschwemmung, diesem für das gesamte Land so überaus wichtigen Ereignisse, begannen 
die festlichen Wallfahrten; von Stadt zu Stadt fuhren unter Gesang und Musik durch das 
ganze Land Schiffszüge. In den unzähligen Nilbarken mit bemalten Wänden, bunten 
Segeln und leichten Pavillons befanden sich Hunderttausende Ägypter, Männer und 
Frauen, und der Anblick, den der belebte Strom zu jenen Zeiten geboten hat, muß ein 
sehr malerischer gewesen sein. 
Die Chinesen wußten die Flußläufe ihres Landes in umfangreicher Weise dem Ver 
kehre dienstbar zu machen. Auf den natürlichen Wasserstraßen, die in China wie in einer 
Reihe anderer antiker Kulturländer durch ein weit ausgedehntes Netz von Kanälen mit 
einander in Verbindung gebracht wurden, vollzogen sich zu einem großen Teile die 
Visitationsreisen der Kaiser und ihrer Vasallenfürsten. Für die Schiffahrt kamen in
	        
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