fullscreen: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

io Allgemeines und Spezielles über Entwicklung und Stand der Wohlfahrtspflege. 
auf die Pflege der Beziehungen von Mensch zu Mensch, und andererseits auf die Er 
höhung des Wohlbefindens von Körper, Geist und Gemüt im gemeinsamen Wirken abzielen. 
Über allgemeine Wohlfahrtseinrichtungen werden wir bei Berücksichtigung des 
speziellen Teiles zu folgenden Bemerkungen angeregt: 
LOHNZAHLUNG. Eine Anzahl der zur Beteiligung am Jubiläumswerk aufgeforderten 
Arbeitgeber heben hervor, daß sie hohe Gehälter und Löhne zahlen, und daß daher sich 
besondere Wohlfahrtseinrichtungen unnötig machen. Unter Hinweis auf die Einleitung 
unserer Arbeit möchten wir hier nur bemerken, daß allerdings auskömmliche Gehälter 
und Löhne auch eine entsprechende Belastung des eigenen Budgets für körperliche und 
geistige Wohlfahrtspflege gestatten, daß jedoch eine umsichtige Fabrikleitung nicht davon 
absehen wird, durch geeignete Wohlfahrtseinrichtungen, etwa nach der erziehlichen, 
sittlichen und wirtschaftlichen Seite hin, auf das Personal einzuwirken. Nach beiden 
Seiten hin können auch Prämien und 
GEWINNBETEILIGUNG ersprießlich wirken. So schreibt die in der Erzeugung land 
wirtschaftlicher Maschinen weltbekannte englische Firma John Folwer & Co., deren 
deutsche Hauptfiliale sich in Magdeburg befindet: „Für das Personal in den Bureaus 
unserer Filialen in Deutschland sind die Wohlfahrtseinrichtungen die allerbesten und 
heben wir besonders hervor, daß wir sehr hohe Gehälter und Löhne zahlen und außerdem 
den Angestellten, die sich als tüchtig erweisen, Beteiligungen an Unternehmungen 
einräumen, woraus sie hohe Einnahmen erzielen können.“ — Eigenartig ist auch das 
Gewinnbeteiligungssystem der gleichfalls englischen Stammfirma Lever Brothers Limited in 
Port Sunlight, die als „Sunlight Seif enfabri k, G. m. b. H., in Mannheim-Rheinau“ 
eine selbständige Tochterfirma errichtet hat. Das System beruht auf einer „Mitteilhaber 
schaftsstiftung“ von io ooo ooo M. und sichert denjenigen über 25 Jahre alten Angestellten, 
sofern diese schriftlich die selbstverständliche Verpflichtung zur Arbeitstreue und zur 
besten Förderung der Gesellschaftsinteressen bekräftigen, bei Aufnahme als Mitteilhaber 
nach Maßgabe der Satzung einen Bezug von Genußscheinen in Höhe von 10% des Ein 
kommens zu. Für Arbeiter beträgt die Höchstgrenze dieser G.-B. 16 ooo M., für Angestellte 
60 ooo M. 1912 hatten bereits 1906 Mitteilhaber 6 982 620 M. für Genußscheine gebucht 
und bezogen hierzu eine Dividende von 10 %. — Die Firma Heinr. Franck Söhne, Lud 
wigsburg-Halle a. S. räumt den kaufmännischen Beamten nach einer bestimmten 
Dienstdauer eine Geldbeteiligung in dem Sinne ein, daß für diese Beträge, auch für 
etwaige Verlustjahre der Zins garantiert ist, während in Gewinnjahren für diese 
Beträge der Dividendensatz ausgezahlt wird. — Im Zeißwerk zu Jena erfolgt die 
Gewinnbeteiligung nach einer wohlbegründeten Skala, die ein Aufsteigen der Gewinn 
quote bis zu 10% des Jahreseinkommens sichert. — Die Papierausstattungs 
fabrik Max Krause in Berlin verteilt 10% des jährlichen Geschäftsgewinns an die 
Angestellten und Arbeiter. Die Gewinnbeträge werden bar ausgezahlt, ihre Verwendung 
ist den Berechtigten völlig freigestellt. Es wird jedoch immer dringend auf gef ordert, den 
Betrag zu sparen, weshalb in der Regel 50 % der Anteile seitens der Arbeiter in die Fabrik 
sparkasse eingelegt werden. — Die Schultheiß’ Brauerei in Berlin hat eine indirekte 
Gewinnbeteiligung derart eingeführt, daß denjenigen Arbeitern, welche in die Fabrikspar 
kasse einzahlen, der Prozentsatz (4 %) für die Verzinsung ihrer Einlagen um so viel erhöht 
wird, als die den Aktionären gewährte Jahresdividende den Satz von 4% übersteigt. Es 
werden hierbei allerdings nur diejenigen Sparbeträge berücksichtigt, welche während des 
ganzen abgelaufenen Geschäftsjahres bei der Sparkasse angelegt waren. Beispielsweise 
betrugen im Jahre 1900 diese Zuschußzinsen der Firma rund 100 ooo M. — Bei der Baum 
wollspinnerei am Stadtbach in Augsburg erhalten die über 10 Jahre bei der Firma 
beschäftigten Arbeiter am Jahresschluß einen Gewinnanteil von 5—8% des Durchschnitts 
lohnes ausgezahlt. — Die Felsenkellerbrauerei A.-G. in Dresden gewährt den Be 
amten und Arbeitern und außerdem der Unterstützungskasse einen Gewinnanteil
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.