99 Die Werttheorie (Fortsetzung)
Reihe von Handels preisen und Wertschätzungen nach Sub-
situtionsnutzen als gegeben hineingeflochten sind. Als Ergebnis
all dessen zerfällt das gesamte Phänomen in eine Fülle von Ele-
menten, von denen kein einziges auch nur einigermaßen befriedi-
gend erklärt werden kann.
Wir wollen noch bei einer Erwiderung Böhm-Bawerks ver-
weilen, die allgemeine Bedeutung hat; er versucht nämlich, den
Vorwurf zurückzuweisen, daß seine Theorie ein circulus vitiosus
sel.
„Das Wesentliche für die Zirkelfrage ist stets, daß jene sub-
jektiven Wertschätzungen, welche sich auf die vermutete Bildung
eines konkreten Marktpreises aufstützen, andere sind, als die-
jenigen, auf welche sich die Bildung. eben dieses Marktpreises
selbst aufstützt, und umgekehrt. Der Anschein eines Zirkels hängt
nur an dem dialektischen Gleichklang der beiderseits gebrauchten
Worte „subjektive Wertschätzung‘, wenn dabei nicht ins klare
gestellt und nicht beachtet wird, daß derselbe Name beiderseits
nicht ein und dasselbe Phänomen, sondern verschiedene Phäno-
mene deckt, die nur unter denselben Gattungsnamen fallen*°,“
Dies versucht Böhm durch folgendes Beispiel zu veranschau-
lichen: „Ein parlamentarischer Klub hat ‚Klubzwang‘; seine Mit-
glieder müssen im Parlament so abstimmen, wie es die Majorität
der Klubversammlung beschlossen hat. Offenbar ist hier der
Klubbeschluß ganz zutreffend aus der Abstimmung der einzelnen
Mitglieder der Klubs und die spätere Abstimmung der Mitglieder
im Parlament ebenso zutreffend aus dem Klubbeschluß zu er-
klären, ohne daß im mindesten ein Zirkel in der Erklärung vor-
Jäge*®,“
Also Böhm sucht sich dadurch zu rechtfertigen, daß bei ihm
die einen subjektiven Wertschätzungen durch die anderen
subjektiven Wertschätzungen erklärt werden. Wir müssen noch
hinzufügen, daß den „anderen‘‘ noch die „dritten‘‘, „vierten“ usw.
folgen. Der Tatbestand, daß alle diese Wertschätzungen ver -
schieden sind, rettet die Sache nicht. Hat doch auch die
Theorie der Produktionskosten, die die Vertreter der Grenz-
nutzentheorie so eifrig bekämpfen, von den einen Kosten auf die
anderen, von den einen Preisen auf die anderen ver-
wiesen. Doch das bewahrte sie nicht davor, einen theoretischen
Zirkel zu bilden. Der Grund dafür ist klar: es handelt sich ja
nicht um Zurückführung von gleichartigen Erscheinungen auf-
einander, sondern um die Erklärung der einen Kategorie von
zn Böhm-Bawerk: „Kapital und Kapitalzins“, Bd. II, 1. Teil, S. 403, Fußnote.
Ib.