Full text: Vom Wirtschaftsgeist in Amerika

Erwachen einer Kulturkritik 113 
Schaukelstuhl sitzt, automatischer Musik lauscht, automatische 
Bemerkungen über die Vortrefflichkeit der Fordschen Auto- 
mobile. macht, betrachtet sich als die größte Rasse der 
Welt?“ 163 
So ist es gekommen, daß eine Tätigkeit auf wissenschaft- 
lichem und künstlerischem Gebiet als unproduktiv gilt und 
daß „intellectual‘“ ein Spottname geworden ist. Nur die: prak- 
tisch verwertbaren und angewandten Wissenschaften, die Na- 
turwissenschaften, die Medizin, die Wirtschafts- und Gesell- 
schaftslehre und die Technik haben einen Anspruch gefördert 
zu werden, die reine Forschung dagegen findet nur selten 
Kontakt. Die Universitäten sind „Athletenvereine, in denen für 
die körperlich Schwachen gewisse Gelegenheiten zum Stu- 
dium geboten werden‘ 164, die „Studenten sprechen von 
Sport, von geselligem Zusammensein, vom Examen. Wer hat 
jemals unter diesen jungen Leuten eine lebhafte Auseinander- 
setzung über Kunst gehört, über Religion, Volkswirtschaft, 
Geschlechtsfragen? Hat sie irgend jemand einmal über etwas 
anderes in Eifer geraten sehen als (symbolisch gesprochen) 
über Fußball und Fudge? Man geht sogar so weit, daß es als 
unschicklich betrachtet wird, ein geistig Suchender zu sein.‘ 165 
Der Gelehrte kann sich nur durch Popularisieren einen 
Namen und Geld verschaffen. Denn daß man keine Achtung 
vor der Wissenschaft hat, zeigt sich aufs klarste in der 
schlechten Bezahlung der Lehrer und Professoren, die doch 
gerade in den Vereinigten Staaten einen so besonders feinen 
Maßstab für die allgemeine Wertschätzung gibt, und die 
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