fullscreen: Die politische Ökonomie des Rentners

Allgem. Charakteristik des kapital. Produktionsproz. Die Profitbildung 133 
dank eines geradezu unglaublichen Daltonismus, der es ver- 
hindert, diese Klassenmnatur zu sehen, sind folgende Behaup- 
tungen möglich: „Sogar in der einsamen Wirtschaft eines Robin- 
son könnte der Grundzug des Zinsphänomens ... nicht fehlen?!.“ 
Wie erklärt sich nun dieser Daltonismus? Eine sehr richtige Er- 
klärung dafür gibt uns Böhm-Bawerk selbst. „Auch unter uns 
(d. h. unter den bourgeoisen Oekonomen. N. B.) — sagt er 
liebt man es so sehr, unbequeme Gegensätze zu verkleistern, 
dornige Probleme zu vertuschen.‘“ Dieses offene Geständnis ent- 
hüllt am besten die Psychologische Unterlage, die dazu führt, daß 
man die Erkenntnis der widerspruchsvollen sozialen Wirklichkeit 
meidet und zu den künstlich ausgedachten, an den Haaren her- 
beigezogenen Konstruktionen, zur Rechtf ertigung ‘der 
Wirklichkeit, seine Zuflucht nimmt. „Auch Böhm-Bawerks Kapi- 
talzinstheorie — schreibt Dietzel —, welche aus der Grenznutzen- 
theorie geflossen ist, soll nicht bloß das Zinsphänomen erklären, 
sondern daneben auch Material zur Widerlegung derer beitragen, 
welche die Zinsinstitution angreifen?. Diese apologetische Seite 
veranlaßt Böhm-Bawerk, das Phänomen des Zinses sogar dort zu 
sehen, wo es selbst weder Klassen noch Warentausch gibt (Robin- 
son, Sozialistenstaat); sie veranlaßt ihn, das soziale Phänomen 
des Zinses von den „allgemeinen Eigenschaften der menschlichen 
Psyche“ abzuleiten. Wir gehen nun zur Analyse dieser wunder- 
lichen Theorie über, deren Erfolg sich nur durch den völligen 
Niedergang der bourgeoisen politischen Oekonomie erklären 1äßt. 
3. ALLGEMEINE CHARAKTERISTIK DES KAPITALISTISCHEN 
PRODUKTIONSPROZESSES. DIE PROFITBILDUNG 
Wie wir bereits wissen, versteht Böhm-Bawerk unter kapi- 
talistischer Produktion eben eine solche, die mit Hilfe von Pro- 
duktionsmitteln oder, in der Böhmschen Sprache, auf „Produk- 
tionsumwegen“‘ erfolgt. Diese „kapitalistische‘‘ Produktions- 
methode weist eine vorteilhafte und eine nachteilige Seite auf: 
Erstere besteht darin, daß eine größere Menge von Produkten 
erzielt wird; die zweite besteht darin, daß diese Steigerung mit 
größerem Zeitverlust verbunden ist. Infolge der vorangehenden 
Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, daß es sich um ganz verschiedene 
Typen der ökonomischen Struktur handelt. In dem Marxschen 
Standpunkt sieht Böhm nur dies, daß bei Marx das Kapital „Ausbeutungs- 
mittel“ ist, weiter nichts. (Siehe S. 90.) 
?2 Böhm-Bawerk „Positive Theorie“, S. 507. 
?? H, Dietzel: „Theoretische Sozialökonomik“‘, S. 211.
	        
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