Full text: Zur Psychologie des Anlernens und Einübens im Wirtschaftsleben

den verschiedensten Lohnsystemen versucht, das materielle Interesse des 
Arbeiters an der Produktionssteigerung zu heben. Eine psychologisch 
systematische Anweisung, wie der Einzelne am besten dazu kommen 
kann, fehlt aber. 
Nun haben wir bereits bei Besprechung der Nähschule gesehen, 
daß schon beim Anlernen die Arbeitssteigerung als Tendenz anerzogen 
werden kann. Im folgenden soll am Beispiel des Feilens gezeigt werden, 
wie dies im einzelnen gemacht werden kann. 
Schon ganz am Anfang, wenn der Lehrling z. B. das «Rundfeilen» 
beherrscht, muß er darauf aufmerksam gemacht werden, daß ein Ring, 
der um den ganzen Umfang ausgefeilt werden soll, einige Male umge- 
spannt werden muß, damit er ringsherum bearbeitet werden kann. Da 
ist die Gelegenheit, dem Lehrling verständlich zu machen, daß es nicht 
gleichgültig ist, ob er das Stück zwei, drei, vier oder acht Mal umspannt. 
Spannt er das Stück zu wenig oft um, so ist die Bearbeitung schwieri- 
ger, mühsamer und fällt nicht so exakt aus; spannt er es dagegen zu oft 
um, so geht zu viel Zeit beim Umspannen verloren. 
So wird seine Aufmerksamkeit auf die Zeitausnützung gerichtet, 
Der erste Keim zur Tendenz, rationell und rasch zu arbeiten, ist damit 
gepflanzt. 
Wenn einer Lehrwerkstätte von seiten des Betriebes die Herstel. 
lung einer großen Serie eines einfachen Gegenstandes aufgetragen wird, 
so kann der Lehrmeister diese Gelegenheit benützen, den Lehrlingen in 
anschaulicher Weise die Zeiteinsparungen, die bei Seriearbeiten mög- 
lich sind, zu demonstrieren. Er wird zu diesem Zwecke die ganze Serie 
aufteilen in eine Anzahl Teilserien, wobei die einzelnen Teilserien der 
Reihe nach in immer rationellerer, der Serieherstellung angepaßterer 
Weise fabriziert werden, so daß die dadurch erzielten Zeiteinsparungen 
jedem sichtbar werden. Die Teilserien müssen dann so groß gewählt 
werden, daß die Vorteile der Serieherstellung in Erscheinung treten, 
Müssen aber in der Stückzahl unterhalb der Grenze bleiben, von der an 
beim Lehrling die volle Automatisierung eintritt, welche ein Erlahmen 
der Aufmerksamkeit und des Interesses zur Folge hätte. 
Nehmen wir z. B. als Seriearbeit das Befestigen von Arretierringen 
auf Stangen mittelst Stiften. Die erste Operation besteht im Bohren des 
joches, die zweite Operation im Einschlagen des Stiftes ins gebohrte 
Och. 
Das Bohren kann zuerst ohne irgendwelche Hilfsvorrichtung ge- 
Macht werden, Der Lehrling muß dann jedesmal zuerst richtig 
einstellen, anreißen, dann die Mitte suchen, falls das Stück rund ist, so 
aufpassen, daß es sich beim Bohren nicht verdreht. Man läßt ihn so- 
dann zählen, wieviel Stück er in 10 Minuten auf diese Art bohren kann, 
und zeigt ihm noch im besonderen, wie kurz die eigentliche Bohrzeit 
Im Verhältnis zur Gesamtzeit ist, die er braucht. Hat er das einmal er- 
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