Strukturwandlungen der Weltwirtschaft
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behält, gestattet. Gewiß kommt das alles in den neuzeitlichen Staaten
nicht gleichmäßig zum Ausdruck, doch sind zum mindesten in Europa
die Unterschiede ihrer Art nach mehr graduell als grundsätzlich. Von
Wichtigkeit ist, daß in fast allen Staaten durch die so bedingte Politik
das Verhältnis zum Ausland grundlegend beeinflußt wird.
3. Die Finanzidee. Sie ist altes Rüstzeug der nationalen Wirt-
schaftspolitik und hat in den Argumentationen der einschlägigen
Literatur hinreichend Würdigung gefunden. Trotzdem möchte ich
die Finanzidee wenigstens erwähnen, denn gerade sie gibt raum-
wirtschaftlichen Zielsetzungen entscheidende Impulse. Der Zusammen-
hang ist einfach genug. Stiller Teilhaber an den Erfolgen von
wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die den heimischen Markt vor
ausländischer Konkurrenz schützen sollen, sind stets die Finanz-
minister, deren Neigung, allem dem nur die für sie günstige Seite
abzugewinnen, bekannt ist. So hat kürzlich der Finanzminister des
Deutschen Reiches die überraschend günstige Entwicklung der Zoll-
einnahmen in der ersten Hälfte des Jahres 1926 mit Genugtuung fest-
gestellt. Er wandelt damit in den Spuren Bismarcks, für den die klingende
Münze im Reichssäckel nicht der letzte Gesichtspunkt für die nationale
Wirtschaftspolitik war. Die Geschichte fast jedes Landes lehrt es, daß
auf die Regelung der wirtschaftlichen Beziehungen zu andern Ländern
finanzielle Erwägungen maßgeblichen Einfluß ausüben. Nicht nur für
Europa, sondern erst recht für die wirtschaftlichen Neuländer in Übersee
gilt dies. Wirklich sieghaft hat die »Idee« in der Nachkriegszeit ihr
Herrschaftsbereich erweitert. Deckung für die enorm gewachsenen
Staatsausgaben ohne Anziehen der Zollschraube zu finden, wird über-
wiegend als aussichtslos angesehen. Ein erheblicher Teil der neuen
Staaten Europas hat sein Finanzwesen von vornherein auf Zolleinnahmen
aufgebaut, wobei wohl auch der Gesichtspunkt mitgesprochen hat, daß
die Erhebung von Zöllen gewissermaßen ein Ausdruck der Souveränität
ist, auf deren Geltendmachung es in diesen neuen Staatsgebilden vor-
nehmlich anzukommen scheint. Es darf auch nicht wundernehmen,
daß die so eingestellten Finanzminister in den Parlamenten, auf
deren Zusammensetzung die »organisierte Wirtschaft« Einfluß zu
nehmen weiß — in Überseegebieten noch mehr als in Europa —, volles
Verständnis finden. Kurzum: die Nichtberücksichtigung der »Finanz-
idee« als raumwirtschaftlicher Triebkraft hinter den weltwirtschaftlichen
Strukturwandlungen wäre wissenschaftlich eine unentschuldbare Unter-
lassung.
4. Die Sicherheitsidee. Als im August des Jahres 1914 ein Staat
nach dem andern in den Krieg gezogen wurde, zeigte sich fast überall,
daß die wirtschaftlich-technische Kriegsvorbereitung vernachlässigt war.