Der Xod Schlabrendorffs.
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mwähnte Carmer auch die Vorgänge, die zur Verdächtigung CSchlabrendorffs
dienten: „Was infonderheit die Konkurrenz bei Befjebung der geiftlichen
Ämter und Würden betrifft, mobei doch auf alle Fälle den BijhHöfen und
Discefanis ihre unftreitige Gerechtfame vorbehalten werden müffen, jo be-
merfe ich, daß jelbft in Schlefien in den erjten Zeiten der ODkkupation die Re-
gierungen mit den Kammern gemeinfdhaftlich die Prälaten- und andere geift-
liche Wahlen dirigiert haben, bis zum Jahre 1750, mo man fie davon aus-
[OHIoß und das damit verknüpft gemwejene Utile!) dem Finanzdepartement
(d. 9. dem Provinzialminifter) allein zuwendete. Dabei fielen aber in Er-
mangelung einer Zare für die zu beforgenden Verrichtungen mandherlei
Cyzefje vor; befonders wurden im fiebenjährigen Kriege die Prälaturen,
Kanonikate und Pfarrftellen fehr oft plus licitanti zugefhlagen, und die ge-
wählten Prälaten mußten, um dergleichen beträchtlidhe Ausgaben zu be-
Itreiten, Jidh und ihre Stifter mit Schulden belaften“ 2). CHlabrendorff hatte
freilidh das Recht zur Erhebung diejer Minifjterialjporteln befefjen; ihre Sihe
wurde erft in der Infiruktion feines Nachfolger8 geregelt, damit Hoym, wie
der König fchrieb, „in die ANbmenge des v. Schlabrendorff nicht verfallen
möge“ 3),
Die Kampfesjtimmung der Gerichte gegen die Übermacht der Ver-
waltungsbehörden im abfolutijtijdhen Ctaate und der Ärger der Iuftiz-
beamten über den ihnen entzogenen Mitgenuß überreicher Gebühren [vielte
alfo in den Angriffen auf COHlabrendorff eine große Rolle; von diefer Seite
warf man ihm vor, daß er den Adel bedrücke, fein Eigentung, jeine Gerechtfame
und feine perjönlidhe Freiheit gefährde, denn das war doch der Sinn der
Worte Carmers. Ein anderer BZeitgenoffe {prady von Schlabrendorff8
„Sefpotismus, der ihm den Haß aller derer zuz0g, die er gefränkt hatte... .
Diefjes Betragen empörte die Landjtände, zu einer Zeit, da fie fidh von den
Trangfalen eines ausgeftandenen Krieges noch gar nicht erholt Hatten und
ganz Schlefien dem Bankrott nahe war. Ties zog ihm die Ungnade des
Königs zu. Er ließ ihn diefelbe empfinden, und der Verdruß, der dadurch
bei ihm verurfacdht ward, befürderte feinen Tod, der jidh ihm damals {Hon mit
mächtigen Schritten nahte. Kurz vor feinem Ende {Hrieb er an den König:
Die Potenten in Cchlefien haben mir Euer Königlidhen Majejtät Ungnade
zugezogen, und Ddiefe Unanade {hläat den legten Nagel in meinen Sara“ 4).
1) Die fogenannten Minifterialfporteln für die Beftätigung der Wahlen der Übte
ufm. 2) M. Lehmann, Preußen u. d. katholifjhe Kirche, Bd. VII, Leipzig 1894,
S. 738 ff. — Bol. meine Beiträge zur Charakteriftik der preuß. Bermaltungs-
beamten in Schlefien, S. 59/60. %) Lehmann a. a. ©. S. 48. — Wachter, Aktenftücke
betreff. d. Minifter Grafen v. Hoym in d. Zeitfchr. d. Ver, f. Gejch. Schlefiens, Bd. 30,
S. 266/67. Weitere Berdächtigungen Schlabrendorffs ebenda S. 262. *) (v. Regzow),
Charakteriftik der mwichtigften Ereianiffe d. fiebeniährigen Krieges, Bd. I (Berlin
1802), S. 378.