Full text: Theorie der forstlichen Oekonomik

4 Ertrag und Einkommen der Forstwirtschaft. 
einen Normalertrag konstruieren kann. Fast alle vorgeschlagenen Methoden 
der Ertragsregelung haben nun das gemeinsam, daß sie durch das Maß 
der Abnutzung den Normalwald herzustellen suchen. Da lag es nahe, 
die jährliche Abnutzung als den wirklichen Ertrag des Wirklich- 
keitswaldes zu bezeichnen, im Gegensatz zum Normalertrage des Normal- 
waldes. 
Dieser Ertragsbegriff muß versagen, wenn der in Frage stehende 
Wald einen extrem anormalen Aufbau hat. Ein Wald, der nur aus 
Dickungen besteht, liefert einen erheblichen Holzzuwachs, aber unter Um- 
ständen gar keine Nutzung. Es würde verfehlt sein, diesen Wald darum 
ertraglos zu nennen. Der Ertrag besteht eben in diesem Falle in dem 
Zuwachs, der im Betriebe werbend wieder angelegt wird, ohne daß 
hierfür der Umweg über die Geldform erforderlich ist. Wollen wir einen 
Ertragsbegriff aufstellen, so müssen wir ihn so fassen, daß er auch für 
den Fall anormalen Waldaufbaus zutrifft: D er lauf ende Ertrag 
eines forstwirtischaftlichen Betriebes ist derjenige 
Betrag, um den das Reinvermögen am Schlusse 
eines Wirtschaftsjahres das Reinvermögen am An- 
fang des Wirtschaftsjahres übersteig t. Dieser Betrag ist 
Rohertrag vor Abzug, Reinertrag nach Abzug der 
l auf en d en Ko st e n. Nach dem Gesagten rechnen wir zum laufenden 
Ertrage 
1. die Nutzung, soweit sie nicht in das Kapital eingreift, 
2. den Zuwachs, soweit er die Nutzung übersteigt. 
Zur weiteren Klärung des Ertragsbegriffes gehen wir nicht vom 
Normalwalde, sondern vom extrem anormalen Walde aus, den wir in 
einer soeben kultivierten bisher holzleeren Fläche sehen können. Wir 
haben im vorigen Abschnitt den ~ wirklichen oder geschätten – Kauf- 
preis dieser Fläche einschließlich der Kosten der Besstandsbegründung als 
f e st e K o st e n bezeichnet. Der laufende Ertrag in Gestalt des Zuwachses 
der Holzpflanzung geht alljährlich selbsttätig in die sich dadurch ständig 
vergrößernden festen Kosten über. Für manche Zwecke, u. a. den der 
Rentabilitätsrechnung, ist es notwendig, die Höhe des jährlichen Zuwachses 
in Geld zu beziffern. Das kann in der Weise geschehen, daß man zunächst 
den mutmaßlichen Verkaufspreis des Bestandes in demjenigen Alter 
ermittell, in dem seine Verwendbarkeit in der Holzwirtschaft beginnt, 
das ist im großen Durchschnitt im 40jährigen Alter. Alsdann berechnet 
man das Prozent p, zu dem die festen Kosten (einschließlich der Kultur- 
kosten) mit Zinseszinsen anwachsen müssen, wenn sie nach 40 Jahren 
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