— 112 —
—
——— *
— 57
trifft, der wenig Zeit, Lust oder Gelegenheit zum Studium
hat, wieviel mehr gilt das für den, der durch den Klassen—
kampf zu eigenen Studien angetrieben wird! Er kann, ge—
rade weil er Arbeiter ist, weil die Not des Proletariats n
zum Studium zwingt, die Gesellschaft besser verstehen
lernen wie zum Beispiel ein bürgerlicher Professor der
Natkonalökonomie. Der Bourgeois kann die Wahrheit
nicht sehen; er kann nicht zugeben, daß seine Klasse unter—
geht; sogar den Klassenkampf kann er nicht anerkennen, in
dem seine Klasse unterliegen muß. Der Geist des Arbeiters
dagegen, der alles von der Zukunft zu hoffen hat, ist für
die Wahrheit geschärft, wie der Jagdhund für das Wild
Und welche Quellen hat der Arbeiter! Vor mehr als
sechzig Jahren erklärte Marx dem Proletariat, wie Kapital
aus unbezahlter Arbeit entsteht.“) Vor sechzig Jahren
offenbarten Marx und Engels der Arbeiterklasse das Wesen
des Klassenkampfes.“) Und nachher entwickelte Marx im
Kapital“ das Wesen des ganzen kapitalistischen Produk—
tionsprozesses, das der Arbeiter auch in klarer, kürzerer
Form in Kautskys Marx' ökonomische Lehren“ und „Das
Erfurter Programm“ auseinandergesetzt findet. Ueber solche
Quellen gesellschaftlicher Erkenntnis verfügt die Bourge—
oisie nicht. Der Arbeiter, der seinen Durst an diesen
Quellen gestillt hat, wird in der Gesellschaft nichts Ueber—
natürliches mehr sehen. Es wird sich bei ihm nicht bloß
ein Negatives, ein Fehlen der Religion, sondern
qguch ein Posstives eine Uare, deste Weban
J
Und in den Werken von Marx, Engels, Kautsky,
Mehring und so vielen anderen hervorragenden Theore—
tikern wird er, wenn er zu lesen und nachzudenken fort—
fährt, be w esen finden, daß das Geistesleben der Men—
schen durch das ag Sein bestimmt wird, daß
Recht Klassenrecht, Politik Klassenpolitik ist, daß Gut und
Böse gesellschaftliche, wandelbare Begriffe sind, kurz, die
Wahrheit von alledem, was wir hier in dieser Schrift er—
zrtert haben und was der historische Materialismus lehrt.
Dann bersteht er auch die Aenderungen, die sich im Denken
bollziehen, dann versteht er sein eigenes Denken. Der
Mann, der die Gesellschaft praktisch, mit seinen Händen
schafft, durchschaut sie auch mit seinem Geiste immer besser,
Er versteht das Klassendenken, und wiederum bricht eine
*) Lohnarbeit und Kapital, von Karl Mart.
**) Das Kommunistische Manifest von Karl Marx und
Friedrich Engels