79
und welches ist die Entwicklungstendenz, die sich darin offenbart?
Zum Handwerk rechnen wir dabei die Betriebe mit höchstens io Per
sonen, zu den kleinen Fabriken diejenigen mit 11—50 Personen. Da
die „Nebenbetriebe 1 )“ von der Reichsstatistik selbst nur nebensächlich
behandelt werden — sie werden auch nur in Allein- und Gehilfen
betriebe geschieden —, wollen wir nur die Hauptbetriebe berück
sichtigen. Die Plausindustrie, deren Werkstätten nicht von den Hand
werks- und Fabrikbetrieben getrennt wurden, wird zwar auch nicht
nach Größenklassen klassifiziert, wir können aber rechnungsmäßig
mit ziemlicher Genauigkeit herausfinden, welche Werkstätten dem
Handwerk, welche den kleinen Fabriken zuzurechnen sind — haus
industrielle Großbetriebe dürfte es kaum geben 1 2 ).
Nach diesen Vorbemerkungen schreiten wir zur Statistik selbst,
und zwar betrachten wir 1. die Entwicklung der Baumwollspinnerei,
2. die der Baumwollweberei und 3. die der Baumwollbleicherei,
-Färberei etc. Von einer Berücksichtigung anderer Zweige der Baum
wollindustrie müssen wir absehen, da die Reichsstatistik bei der
Häkelei und Stickerei, der Posamentenfabrikation, der Strickerei und
Wirkerei, der Handschuhfabrikation und der Spitzenverfertigung keine
Unterscheidung nach den verwandten Rohstoffen trifft.
I. Baumwollspinnerei.
Bei der Gewerbezählung am 1. Dezember 1875 wurden im ganzen
1597 Betriebe ermittelt. Von diesen waren 1477 Hauptbetriebe (mit
Einschluß der hausindustriellen Werkstätten). In allen Betrieben zu
sammen waren 66675 Personen (33385 Männer, 33290 Frauen) be
schäftigt. Die Gliederung der Hauptbetriebe nach Betriebsformen
gestaltete sich folgendermaßen: Die Zahl der Handwerksbetriebe be
trug 1081, die der kleinen Fabriken 138 und die der Großbetriebe
258. Wie sich die Personenzahl auf diese Größenklassen verteilt,
entzieht sich leider unserer Kenntnis. Die 258 fabrikmäßigen Groß
betriebe können wir noch in drei Kategorien zerlegen. Es entfielen
auf die Betriebe mit 51 bis 200 Personen: 162 Betriebe
» u i) 201 ,, 1000 ,, 93 ft
„ „ „ „ über 1000 „ 3
1) „Betriebe, in denen keine Person mit ihrer Hauptbeschäftigung tätig ist“ (Stat.
d. Dtsch. R., N. F., Bd. VI, i. Teil, S. 24*).
2) Ludwig Sinzheimer, Über die Grenzen der Weiterbildung des fabrikmäßigen
Großbetriebs in Deutschland. Stuttgart 1893, S. 40 u. 41.