stellte, fortwährend an den Fundamenten von Staat
und Gesellschaft herumzuknabbern und der nichts
heilig zu sein schien. Obgleich das sachlich der
Wissenschaft gegenüber ein Irrtum war 1 , so war das
kein Irrtum gegenüber dem, was weitere Kreise von
der Wissenschaft erfuhren und was ihnen aus der
Hand der Literaten zukam. Man darf auch die Be
deutung der Tatsache nicht unterschätzen, daß wirk
lich nur das feststeht, was undiskutiert ist, also nur
das, was unbewußt ist — denn mit dem Bewußtsein
beginnt sofort das Fragen und Analysieren.
In diesem Sinn ist selbst der Apologet nur ein
Vorläufer des Revolutionärs. Stellen wir uns vor,
wir stünden in einer Bilderausstellung, versunken im
Anblick eines Bildes. Und es träte da jemand an uns
heran und sagte zu uns: „Warum bewundert ihr das,
ihr Dummköpfe? Das ist ja nur Leinwand und Öl
farbe!“ Was würde unser Eindruck sein? Nun der
selbe, den manche angeblichen Resultate der Sozial -
wissenschaften auf manchen wackeren Mann ge
macht haben, der kraftvoll handelte, kraftvoll glaubte
und wenig grübelte. Und wir können dem Mann nicht
ganz Unrecht geben: Das Bild ist nicht bloß Lein
wand und Ölfarbe und selbst wenn es nichts anderes
wäre — im künstlerischen Genuß oder im frohen
Tun wollen wir nicht daran erinhert sein. Diese
Reaktion gewann nun seit der Jahrhundertwende
1 Denn die wissenschaftlichen Kreise waren nichts weniger als
staats- und gesellschaftsfeindlich, von sehr wenigen Ausnahmen ab
gesehen.