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Blich 3. Kap. 1. Preis.
unschwer vcrsendbarer Güter zll folgen, deren Production in Bezug
auf Zeit re. möglichst wenig beschränkt ist, weder eine bestimmte
längere und unabkürzbare Zeitdauer zur technischen Vollendung,
noch dabei die Mitwirkung nicht sicher zil regelnder Natureinflüsse
oder seltener zu findender Geschicklichkeit erfordert, und welche
demnach nicht nur ohnehin umlaufsfähiger, sondern außerdem
zugleich beliebiger beschaffbar sind.
Während also das Angebot durch die Productionsverhältnisse
und die Nachfrage durch die Zahlungsfähigkeit der Käufer,
beziehentlich durch deren Kauflust begrenzt ivird, können jedenfalls
die stärksten Preisschwankungen bei denjenigen Gütern eintreten,
rücksichtlich Ivelchcr das Gleichgewicht zwischen Nachfrage und
Angebot am leichtesten beträchtlichere und andauerndere Störungen
erleidet.
Die Nachfrage nach Getreide z. B. vermindert sich bei in
Folge einer geringen Ernte abnehmendem Angebote an Brodfrucht
nur in dem Grade, in welchem die Zahlungsfähigkeit der Bevölke
rung den steigenden Getreidepreisen gegenüber unzulänglicher
wird. Das Angebot an Getreide dagegen kann nach einer Fehl
ernte, insoweit es nicht durch Zufuhr ans anderen Gegenden zu
heben ist, durch neuen oder vermehrten Anbau nur langsam und
keineswegs um einen schon im Voraus sicher zu übersehenden
Betrag entsprechend vergrößert werden. Die Getreidcpreise steigen
deshalb nach einer schlechten Ernte nicht blos im Größcnverhält-
nisse des Ernteausfalls, sondern stärker und zwar um so stärker,
je geringer die alten Vorräthe sind, je mehr von dem Ernteertrage
selbst in den Händen der Producenten zurückbleibt, je weniger
leicht Getreidezufuhr möglich ist, je ungünstiger die Aussichten
für die nächste Ernte sind und je größer die Zahlungsfähigkeit
des gesanlmten Volkes ist. Es ist sogar am günstigsten, wenn
die Getreideprcise möglichst bald so hoch steigen, daß dadurch der
Getreideverbrauch auf dasjenige Maß eingeschränkt wird, welches
eingehalten iverden muß, um überhaupt mit dem noch verfügbaren
oder durch weitere Zufuhren verfügbar zu machenden Vorräthe
bis zur neuen Ernte durchzukommen. Nach einer reichen Ernte
aber steigt die Nachfrage nach Getreide nicht ebenmäßig, während
dennoch gleichzeitig der größte Theil der Getreideproducenten zum
Verkauf genöthigt ist. Die Getreidepreise fallen deshalb nach einer
überreichen Ernte nicht blos im Größenverhältnisse des Ernte
überschusses, sondern stärker und zwar um. so stärker, je lveniger