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wesentlichen die kleinen Leute, die Bauern, Handwerker
und Arbeiter treffen.
Die soziale Gesetzgebung würde zweifellos sehr kost—
spielig sein, wenn sie allen billigen Anforderungen ent—
prechen sollte. Ganz zu vermeiden ist sie aus Furcht vor
dem Proletariat nicht. Mer zu teuer darf sie den besitzen⸗
den Klassen nicht werden, und deshalb muß sie notwen—
digerweise ungenügend sein und nebenbei die Arbeiter auch
noch mit einem Teil der Kosten belasten.
Dies war in Deutschland kurzgefaßt der Gedanken—
gang der großen Kapitalisten, der Bergwerks- und Hüt—
kenbesitzer, der Metallindustriellen, der Textilfabrikanten,
der großen Reeder und der Bankiers.
Jeder wird nunmehr berstehen, daß die Neigung die—
ser Klasse nach mehr Pauzerschiffen und Soldaten und nach
einer größeren Kolonialmacht und ihre Abneigung gegen
zute soziale Reformen sich um so stärker zeigten, je größer
die Inleressen dieser Klasse wurden. Ein starker Impe—
rialismus und Militarismus und ungenügende Sozial—
reform gehen also Hand in Hand.
Aehnlich verhielt sich die Junkerklasse zu diesen Fra—
gen. Alb bornierte Landjunker waren sie gegen Kolonial—
politik und Marinismus gleichgültig; nur soweit sie ihnen
neue Herrschaftsgebiete mit eintraͤglichen Verwaltungs—
posten boten, söhnten sie sich als regierende Partei damit
Almählich aus Dagegen war die Armee, in der sie alle
Offiziersstellen inne hatte, ihre ureigenste Domäne; als
Bebleter über die Armee waren sie der Bourgeoisie in
hrer Furcht vor dem Proletariat unentbehrlich,. Als
Militärstaat war Preußen emporgekommen; auf der
Armee beruhte seine Großmachtstellung, deshalb forderten
die Junker mmer neue Hunderte von Millionen für die
Armee.
Daß das dazu nötige Geld aus indirekten Steuern,
aus Zöllen aufgebracht werden sollte, versteht man um
o leichter, weil diese Zölle den Junkern persönlich noch
Millionen einbrachten; ohne die Zölle hätten sie schon
längst Bankrott gemacht.
Die Junker sind giftige Feinde der Arbeiterklasse und
die schlimmsten Gegner der Sozialreforme Die fruheren
Landbewohner, die sich dem junkerlichen Despotismus
durch die Flucht in die Stadt entzogen, betrachten sie als
ihre davongelaufenen Sklaven. Deren Lage verbessern
hieße die Landflucht fördern; und nur diese zwingt sie zu