Full text: Der historische Materialismus

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Man sieht handgreiflich die Millionen Proletarier erst 
langsam, dann immer rascher dem Rufe der modernen 
Technik folgen und scharenweise zum Sozialismus über⸗ 
gehen Man sieht sie jetzt auch erst langsam, aber allmäh— 
lich rascher zur Revolution übergehen. 
Das Individuum hat also eine große Bedeu— 
tung in der Entwicklung der Gesellschaft; die Energischen, 
die Feurigen, die Empfindlichen, die Genialen, die Eifri— 
gen beschleunigen den Gang einer Klasse, während die 
Dummen, die Trägen und Gleichgültigen ihn verzögern; 
aber kein Mensch, wie genial, eifrig oder feurig er auch sei, 
kann der Gesellschaft eine der Eutwicklung der Technik ent— 
gegengesetzte Richtung geben, und kein Dummkopf oder 
Faulenzer oder Teilnahmsloser kann den Strom aufhal— 
ten. Außerordentliche Individuen, die sogenannten 
großen Männer“ spielen auf jedem Gebiet eine große 
Rolle. Aber nur, wenn sie mit der Richtung der En— 
wicklung gehen. Denn das gesellschaftliche Sein ist all— 
mächtig. Das Indibiduum das ihm widersteht, wird zer— 
schmettert, und selbst sein Widerstand wird duͤrch das ge— 
sellschaftliche Sein bestimmt. 
E. Sitte und Sittlichkeit. 
Wir sind mit den sogenannten niederen Gebieten des 
Geistes zu Ende und kommen jetzt zu den sogenannten 
höheren zu der Sitte, der Sittlichkeit, der Region, der 
Philosophie, der Kunst. Diese Gebiele werden von den 
herrschenden Klassen über die ersteren gestelll, weil jene 
noch zu viel mit der Materie zusammenhängen, wahrend 
diese über allem Materiellen zu schweben scheinen Das 
Recht, die Politik, die Naturwissenschaft, wenn sie geistig 
auch noch so hoch stehen, behandeln doch nur das Irdische, 
materielle, oft häßliche Dinge und Verhältnisse. Philo 
sophie, Religivn, Moral, Kunst dagegen scheinen den 
geistig, schön und himmlisch. Ein Rechtsanwalt, ein Par⸗ 
lamentsmitglied, ein Ingenieur oder Lehrer erscheinen we⸗ 
niger erhaben als ein Kunstler, ein Priester unß ein Phu 
losoph. 
Wir möchten uns dieser Einteilung nicht gern an— 
schließen. Aber wahr ist es, daß auch fuͤr uns die Kunst, 
die Philosophie, die und die Moral schwie— 
rigere Gebiete sind Gerade dadurch, daß die herr⸗ 
schenden Klassen aus diesen Gebieten übernalürliche Be— 
zirke gemacht haben, ohne Zusammenhang mit der Erde, 
mit der Gesellschaft, rein geistig, und weil diese Meinung
	        
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