Full text : Der historische Materialismus

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Unsere Gegner brüllen uns zu: es besteht eine ewige
underänderliche Moral, ihre höchsten Gebote sind immm
dieselben.
Wir antworten ruhig: beweist es. Nicht mit Pathos
und Rhetorik, nicht mil eigenmaͤchtiger Selbstüberhebung
und mit tönenden Verdamm ungsurteslen über uns, sondern
historisch, mit Tatsachen, die jeder kennen oder umer
suchen kann
Sie können es nicht
Wir dagegen haben, indem wir uns auf Darwin und
autsky stüßen, dargetau, daß erstens in der menschlichen
Brust ein Drang, anderen zu helfen, lebt, ein sittliches Ge
bot rein irdischen, ja tierischen Ursprungs, daß aber zwei—
tens durch den Kampf um das Eigentum, durch die Kon—⸗
kurrenz und den Klassenkampf die Aeußerung dieses Silten—
gesetzes immer verschieden ist, und daß gegenüber Klassen⸗
genossen das Sittengesetz ganz anders dautet als gegen⸗
über Klassengegnern.
Jeder weiß, daß dem so ist; jeder kann es tagtäglich
bei sich selbst und bei anderen beobachten. Wir haben also
Tatsachen gegen hohleée Behauptungen ge—
stellt.
Aus unseren Beweisen geht auch klar hervor, daß
gegenüber dem Feind, sei es des Stammes, des Sande,
oder der Klasse, die hohen Gebote der Moral nicht gelten,
daß im Gegenteil die Moral, die uns gebietet, unseren
Genossen zu helfen, uns damit zugleich zwingt, den Feind,
der ihnen nachstellt, zu vernichlen Daß also die Gebote
der Selbstaufopferung, der Solidarität, der Ehrlichkeit und
der Treue gegenüber dem Feind der Klaffe nmicht gelten.
Auch das finden unsere Geguer schauderhaft, daß wir
das sa gen, und sie derho hnen uns deswegen. Aber
ruhig kznnen wir wiederum darauf hinweisen, daß gerade
sie selbst, Konservative, Liberale, Kletitale und Dens
kraten, fortwährend nichts anderes zun deun sie ver—
veigern tagein, tagaus, jahrein, jahraus den Feinden
ihrer Klasse, den Arbeltern, * Notwendigste; sie
opfern nichts vom Besitz ihrer Klasse, außer was ihnen
durch die Angst vor der Macht der Arbeue abgerungen
wird; sie zeigen nicht die geringste Solidarität mit den
Arbeitern, sondern schlagen sie in Fesseln, wenn sie sich
zu regen versuchen, und maßregeln sie, wie bei dem hollan⸗
dischen Eisenbahnerstreik; se sind nicht ehrlich und treu
gegen sie, sondern sie machen ihnen regelmäßig bei der
Wahlurne Versprechungen, die sie nicht halten Umd
            
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