VI
Vorwort von Adolf Damaschke.
Schäden erwog, die der Bodenmißbrauch in den alten ostasiatischen
päfen hervorgebracht hatte. Die „Landordnung von Kiautschou"
schus die erste „Bodenreform in der Praxis". (Vgl. Schrameier: „Die
Land- und Steuerpolitik im Kiautschougebiet, „Jahrbuch der Boden
reform" und t9f2.) Der Aufstieg Tsingtaus, der die Bewunderung
der Sozialpolitiker aller Nationen weckte, ist ja bekannt. Über die Erfolge
des Bundes Deutscher Bodenresormer im einzelnen vergleiche meine
schon erwähnte Programmschrist „Die Bodenreform".
Linen gewissen Abschluß hat der Kampf des Bundes gefunden
dadurch, daß in der Weimarer Verfassung des Deutschen Reiches unter
den „Grundrechten des deutschen Volkes" auch die Forderungen der
Bodenreformer niedergelegt sind. Ihr Artikel \55 lautet:
„Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Staats wegen in einer
Weife überwacht, die Mißbrauch verhütet und dem Ziel zustrebt, jedem Deutschen
eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den kinderreichen, eine
ihren Bedürfnissen entsprechende Wohn- oder Wirtschastsheimstätte zu sichern.
Ariegsteilnehmer sind bei dem zu schaffenden kseimstättenrecht besonders zu be
rücksichtigen.
Grundbesitz, dessen Erwerb zur Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses,
zur Förderung der Siedlung und Urbarmachung oder zur tjebung der Landwirt
schaft nötig ist, kann enteignet werden. Die Fideikommisse sind aufzulösen.
Die Bearbeitung und Ausnutzung des Bodens ist eine Pflicht des Grund
besitzers gegenüber der Gemeinschaft. Die Wertsteigerung des Bodens, die ohne
eine Arbeits- oder Aapitalsaufwendung auf das Grundstück entsteht, ist für die Ge
samtheit nutzbar zu machen.
Alle Bodenschätze und alle wirtschaftlich nutzbaren Naturkräste stehen unter Auf
sicht des Staates. Private Regale sind im Wege der Gesetzgebung auf den Staat zu
überführen."
Nun erwächst die neue große Aufgabe, dieses Grundrecht aus der
Verfassung heraus ins lebendige Leben zu führen und es umzusetzen
in Menschenglück und Volkszukunft. Ls ist noch ein Weg voller Mühsal
und Gefahren. Lr wird nur zum glücklichen Ziele führen, wenn sich
viele finden, die in dieser entscheidungsreichen Übergangszeit sich mit
reinem Perzen und heißer Begeisterung diesem Werke widmen. Und
wer könnte die Begeisterung reiner und höher entfachen als £j. George,
der „Prophet von San Franzisko"? wenn es uns gelingen wird, aus
diesem großen Zusammenbruch einen Neubau aufzurichten, jenseits
vom Mammonismus und Kommunismus, einen Neuaufbau, in dem
persönliche Freiheit und soziale Gerechtigkeit vereint sein werden, dann
kann und wird „Fortschritt und Armut" stets einen Ehrenplatz ein
nehmen unter den werken, die der Menschheit Wegweiser waren zu
diesem Ziele.
Berlin NW., 24. Juni ^920.
Lessingstr. u*
A. Damaschke»