Vorrede.
IX
über 200 Milliarden Mark, und diese Summen sind beschafft worden,
ein Zeichen der Leistungsfähigkeit des Volkes, die jedenfalls im
Frieden unterschätzt wurde. Freilich ist dabei in Rechnung zu
ziehen, daß es sich hier um eine außerordentliche finanzielle An
strengung handelt, die nur ausnahmsweise zur Geltung kommen
kann, daß ein Teil der Steuern jedenfalls auf Kosten des National
vermögens beschafft wurde. Doch bleibt immerhin die Tatsache,
daß diese kolossalen Beträge in der Tat herbeigeschafft wurden.
Unzweifelhaft ergibt sich hieraus der Schluß, daß die Leistungs
fähigkeit der Nationen auch im Frieden größer war, als dies der
Staatshaushalt ahnen ließ und daß auch für die Aufgaben des
Friedens größere Summen zu beschaffen möglich gewesen wäre.
Wie manche bescheidene Kulturausgabe wurde gestrichen, während
im Kriege das fast verhängnisvolle Losungswort galt: Geld spielt
keine Bolle.
Eine Unzahl von Fragen knüpft sich an diese kolossalen
Leistungen der Kriegsstaats wirtschaft. Vor allem als wichtigste
die: werden die Völker imstande sein, die für die Verzinsung der
kolossalen Kriegsschulden nötigen Jahresbeträge herbeizuschaffen ?
Ich glaube auf diese Frage mit Ja antworten zu dürfen, wenn es
auch gewiß ist, daß große Entbehrungen und große Anstrengungen
nötig sein werden. Eine andere Frage ist es, ob nicht das ganze
Staatsschulden wesen auf eine andere Grundlage gelegt werden muß,
nicht etwa ein Modus der Liquidation gefunden werden kann, da
mit eine Erleichterung in der Belastung eintrete. Eine in die Ver
gangenheit zurückschauende Frage richtet sich endlich darauf, mit
wie viel kleineren Summen es möglich gewesen wäre, den Geist und
Willen des Friedens zu verbreiten, wenn dafür Energie und
Organisation vorhanden gewesen wäre?
Über die Aufgabe dieses Buches habe ich nur Folgendes zu
bemerken. Ich habe im Jahre 1900 eine Finanzwissenschaft in
ungarischer Sprache veröffentlicht. Dieselbe erschien im Jahre
1912 in zweiter Auflage. Von mehreren Seiten — auch deutschen
Fachzeitschriften -— wurde der Wunsch geäußert, meine Finanz
wissenschaft möchte auch in deutscher Sprache erscheinen. Erst
jetzt habe ich die Muße dazu gefunden, mich der Arbeit einer
Neubearbeitung — denn das ist es geworden — zu unterziehen.
Das Buch soll namentlich die prinzipiellen Fragen beleuchten, so
weit die Wissenschaft dies zu unternehmen imstande ist. Es handelt
sich nicht um eine Enzyklopädie des finanziellen Wissens mit allen