154
sächlich gegenüber der Bevölkerung des platten Landes, hatten
sie dadurch Vorteil.
Deshalb wollten auch die Kaufleute nicht mit Erzeugnissen
des Handwerks Handel treiben, weil man sie nicht über ihrem
Wert verkaufen konnte. Das Handelskapital unterwarf sich
dem internationalen Verkehr, der ihm reichliche Gelegenheit zur
Plünderung gab. Erst die Entwicklung des Kustargewerbes ge
stattete den Kaufleuten, die Produzenten auszubeuten. Die Zu
nahme der Handwerkerzahl zwang diese, ihre Erzeugnisse unter
deren Wert zu verkaufen, und so konnte das Handelskapital sich
auch die Massenproduktion unterwerfen.
Es ist charakteristisch, daß der Tauschverkehr zwischen den
Handwerkern und Bauern oder unter den Handwerkern selbst,
der keinen Profit gab, als nicht anstößig betrachtet wurde, wäh
rend der Zwischenhandel noch im 13. bis 14. Jahrhundert in
England als berüchtigt galt. In einer Verordnung von Hein
rich III. heißt es (Ashley a. a. O. I, S. 186) :
„Es sei auch von seiten unseres Herrn und Königs besonders
anbefohlen, daß kein Fürkäufer in irgend einer Stadt geduldet
werde — d. h. keiner, der offenkundig ein Unterdrücker der
Armen und der öffentliche Feind der ganzen Gemeinde und des
Landes ist; der, seinem eigenen schändlichen Gewinne nach
gehend, wobei er die Armen unterdrückt und die Reichen täuscht,
Korn, Fische, Heringe oder andere zu Wasser oder zu Lande ein
geführte Verkaufsartikel gleich beim Ausladen aufkauft, sie fort
führt und zu einem ungehörig hohen Preise zu verkaufen
trachtet.“
Dagegen schien das Verhältnis, nach dem die Produkte des
Massenkonsums ausgetauscht wurden, normal. Thomas von
Aquino sprach daher auch von einem „gerechten“ Preis, den die
Waren wirklich kosten, und der im Tausch verkehr auch gelten
muß. Der Warentausch fand unter den unmittelbaren Produ
zenten statt, und der „normale“ Preis der Waren war auch ihr
Arbeitswert.
Indem der Handwerker auch selbst seine Ware auf den Markt
bringt und unmittelbar an den Konsumenten absetzt, gestattet