115
Mississippi verlangt der Kapitalist eine 6bis 7 prozentige
Verzinsung und kann diese unschwer erhalten. Deshalb sind
die Bedingungen, die für einen Europäer liberal und generös
sind, für den Amerikaner gar nicht besonders anziehend.“
Ist es Aufgabe der amerikanischen Banken, die Erspar-
nisse der Kapitalisten für den Kapitalexport zu sammeln,
So haben ihre ausländischen Filialen die Pflicht, diesen als
Kreditvermittler zu überwachen und an die richtigen Stellen
zu leiten, Vor 1914 war weder das Bedürfnis noch die Mög-
lichkeit zur Errichtung solcher Filialen vorhanden; erst die
in diesem Jahre eingeführte Bankreform gestattete den
Nationalbanken, deren Kapital und Reserven mehr als eine
Mülion Dollar betrugen, Filialen im Ausland zu gründen. Von
dieser Erlaubnis hat Vor allem die größte Aktienbank der Ver-
einigten Staaten, die dem Standard Oil Trust nahestehende
National City Bank von 1915 ab mehr und mehr Gebrauch
gemacht‘), Eine große Rolle als Kreditvermittler spielen
aber auch die Sogenannten „Investment Houses‘“, d. h. die-
jenigen Bankfirmen, die seit Jahrzehnten. Durchgangsstellen
der großen Kapitalwanderungen zwischen Europa und den
Vereinigten Staaten gewesen sind, vor allem J.. P. Morgan &
Co., Kuhn, Loeb & Co., Speyer & Co., Lee, Higginson & Co.
Dillon Read & Co, Goldmann, Sachs & Co., Kidder, Peabody
& Co. und die neuen für den Kapitalexport gegründeten Ge-
sellschaften, die U. S. A. Foreign Security and Investment
Co. und die American and Continental Corporation.
Wie die englische Wirtschaftsgeschichte zeigt, folgt
der Handel stets dem Kapitalexport, und ohne ihn als
Schrittmacher ist eine friedliche Politische Expansion in
anderen Ländern unmöglich 2%. Aus den nachfolgenden Zahlen
geht am besten der große Zuwachs des Außenhandels hervor,
den die vermehrte Kapitalausfuhr der Union nach Südame-
rika und Ostasien herbeigeführt hat.
Warenausfuhr der Vereinigten Staaten
in Mi'lionen Dollar nach:
Südamerika
ea
1913
L922
1097
Asien.
115,1
502,6
436,9
480.4
2
7
ZH
281.5
1) Buenos Aires, Kuba, Havanna, Montevideo, Porto Rico, Rio de
Janeiro, Rosario, San Juan, San Paulo, Santiago, Santos, Valparaiso.
Rom, Zürich.
2?) Robert Liefmann, Theorie des weltwirtschaftlichen Reichtums-
Ausgleichs. Weltwirtschaftliches Archiv. 19. Band. S. 520.