Full text: Der Pommersche Landbund

licherweise von erheblichen Erschütterungen des Wirtschaftslebens verschont 
geblieben. Im Januar oder Februar d. I. wurden seitens des Demobil 
machungsamtes ehemalige Offiziere, die Landwirte von Beruf waren, die 
also Verbindung hatten mit den Arbeitgebern der Landwirtschaft, aufs Land 
geschickt, um auf die Landwirte einzuwirken, mit den gewerkschaftlich orga 
nisierten Landarbeitern in Verbindung zu treten. Fast überall konnten sie 
berichten, daß sie Verständnis gefunden haben. Es war natürlich schwer 
für die Arbeitgeber, so plötzlich vor die Frage gestellt zu werden, Tarif 
verträge mit den -Arbeitern abzuschließen, wovon früher gar keine Rede 
war. Aber die Revolution bedingt ein schnelleres Umlernen, und es kann 
gesagt werden, daß dies fast überall erfolgte. Wir sind jedoch darüber 
unterrichtet, daß die Kommissare des Demobilmachungsamtes, die in 
Ppmmcrn mit den Arbeitgebern gesprochen hatten, mit einem nega 
tiven Resultat zurückkamen. Sie mußten berichten, daß man dort von 
einem Abschluß von Tarifverträgen, überhaupt von einem Verhandeln 
mit der Organisation nichts wissen will. Man hat dort den Gedanken ver 
treten, die Landwirtschaft sei ein Ganzes, Arbeitgeber und Arbeitnehmer 
müßten zusammenarbeiten in einem Gebilde, wie es heute im Deutschen 
Landbund geschaffen ist. Ich mache sonst Personen keine Vorwürfe, aber 
wenn ich nun auf den Freiherrn von Wangcnheim zu sprechen komme, 
so deshalb, weil ich in diesem Manne den Baker dieser Ideen erblicke, der 
dafür gesorgt hat, daß es in Pommern nicht zur Ruhe gekommen ist. Die 
Idee, Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Landwirtschaft in einem Ver 
bände zusammenzufassen, stammt von dem Freiherrn von Wangenheirn. 
Wenn in anderen Berufszweigen sich die Arbeitgeber einerseits und die 
Arbeitnehmer andererseits organisieren, und zu Larstverhandlungen zu 
sammenkommen, um zu einem Ausgleich der Gegensätze beizutragen, so ist 
es ein Unding, zu glauben, in der Landwirtschaft das anders machen zu 
können. Die Tatsache, daß wir heute insgesamt 800 000 gewerkschaftlich 
organisierte Landarbeiter haben, darunter annähernd 700 000 im Deutschen 
Landarbeiter-Verband, etwa 100 0"0 im Christlichen Landarbeiter-Ver 
ba,.d, beweist, daß die Notwendigkeit für die Arbeiterschaft vorliegt, sich ge 
schlossen mit ihren Kampfgenossen zu organisieren. Also von Pommern 
braust. die Kommissare ein negatives Ergebnis. Im Berbandsvorstand 
war es der Kollege Faaß, der zuerst die Notwendigkeit betonte, daß in Pom- 
mern auch seitens unserer Organisation mehr als seither getan werden müsse. 
Die Aufregung innerhalb der Arbeiterschaft sei dort groß und es werde zu 
Krawallen konnnen, wenn die Sache nicht seitens der Organisation in die 
richtigen Bahnen gelenkt werde. Wir können Faaß heute dankbar sein, 
daß -er darauf aufmerksam gemacht hat. 
Es ist daun auch gelungen, in kurzer Zeit, dort eine große Organisation 
zustande zu bringen. Eisermanu wird bestätigen können, welche riesige Ar 
beit er in Hinterpommern vorgefunden hat, um die Wünsche der Kollegen 
zu befriedigen. Es liegt ja gar nicht so, wie die Arbeitgeber sagen, daß 
wir die Leute aufzuhetzen brauchen. Wäre es uns gelungen, die Wünsche 
all der Arbeiter zu befriedigen, die an uns herangetreten sind, um im 
Deutschen Landarbeiterverband organisiert zu werden, dann hätten wir 
heute anderthalb bis zwei Millionen organisiert. (Sehr richtig!) Es war 
also wirklich nicht notwendig, in Pommern die Leute aufzuhetzen, daß sie in 
die Organisation kommen sollen, im Gegenteil, wir konnten die Arbeit nicht 
bewältigen. (Sehr richtig!) Ein Beispiel aus neuerer Zeit, um Ihnen ein 
Bild davon zu geben, wie die Sache in Pommern aufgefaßt wird. Bor 
etwa drei Wochen kam der Deutschuationale, Abgeordneter. Witt, aus der
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.