fullscreen: Das Problem der Wirtschaftsdemokratie

Wirtschaitsdemokratische Irrtümer ; 
bezüglich der weiterverarbeitenden Industrie. 
Von Direktor KarlLange, . 
Verein Deutscher Maschinenbau-Anstalten. 
In der grundsätzlichen Diskussion über Existenzberech- 
tigung und Zukunft der kapitalistischen Wirtschaftsordnung 
pflegen die sozialistischen‘ - Vorkämpfer der .„Wirtschafts- 
demokratie‘“ in der Regel so zu argumentieren, als ob ledig- 
lich die kapitalistische Wirtschaftsordnung und das ihr zu- 
grunde liegende Privateigentum einer hundertprozentigen 
Durchführung ihrer wirtschaftsdemokratischen Ideale im 
Wege stünde, Es wird als selbstverständlich vorausgesetzt, 
daß nach vollzogener Vollsozialisierung eine uneinge- 
schränkte Wirtschaftsdemokratie Platz greifen würde. 
Demgegenüber erscheint es zweckmäßig, sich einmal mit 
möglichster Unbefangenheit ein Bild davon zu machen, wie 
es denn in einer vollsozialisierten Wirtschaft ; 
unter dem grundlegenden wirtschaftsdemokratischen 
Gesichtspunkt der Freiheit und Selbstbestimmung 
des einzelnen an der Wirtschaft Beteiligten 
aussehen würde. Uns steht hierfür ja nicht nur das prak- 
tische Beispiel Sowiet-Rußlands zur Verfügung, wo 
Sich die Industrie zum größten Teil im Zustand der Voll- 
sozialisierung befindet, sondern darüber hinaus unsere 
grundsätzliche Kenntnis derjenigen technischen und organi- 
satorischen Zwangsläufigkeiten, die für jede technisch ent- 
wickelte arbeitsteilige Produktion gelten, unabhängig da- 
von, ob sie nach kapitalistischem oder sozialistischem Prin- 
zip betrieben wird. Denn auf die Vorteile einer hoch- 
entwickelten: Produktionstechnik und Arbeitsteilung will 
der Sozialismus ja keineswegs verzichten, im Gegenteil, er 
versichert uns, daß er sie zu noch höheren Graden steigern 
wird, als es innerhalb der kapitalistischen Wirtschafts- 
ordnung möglich ist, . 
Zu den grundlegendsten Erfordernissen einer hoch- 
entwickelten Arbeitsteilung gehört aber die Trennung 
zwischen leitender und ausführender Tätigkeit, sowohl 
im Technischen als auch im Organisatorischen: Straffe, 
einheitliche Führung auf der einen, Disziplin auf der 
anderen Seite, Jeder gute Sozialist wird sogar der Ueber- 
zeugung Sein müssen, die von den Bolschewisten auch 
immer wieder zum Ausdruck gebracht wird, daß sich ein 
sozialistischer Betrieb vor einem bürgerlichen durch ein 
MehranBetriebsdisziplin auszeichnen müßte. Es 
liegt also im Wesen der Sache, unabhängig von Sozialismus 
oder Kapitalismus, daß betriebstechnische und betriebswirt- 
schaftliche Fragen nicht etwa durch parlamentarische Dis- 
kussionen und Mehrheitsabstimmung der Belegschaft ent- 
schieden werden können, und daß ein Betrieb um so besser 
funktionieren wird, je einheitlicher, straffer und selbstver- 
anwortlicher seine Leitung ist. je disziplinierter sich die Be- 
78.
	        
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