Object: Einführung in die Volkswirtschaftslehre

Preisbildung. 
27 
ist jedoch nur dann der Fall, wenn nicht bereits das P r o d u k - 
tionsopttmum erreicht. Es gibt durchwegs eine Grenze 
der Leistung, die nicht überschritten werden kann, sei es über 
haupt nicht oder nicht, ohne daß die Rosten noch stärker steigen. 
Am bekanntesten ist das Gesetz des abnehmenden Er 
trages in der Landwirtschaft. Von einer vorläufig noch nicht 
erreichten, aber dem einfachen Nachdenken einleuchtenden Grenze 
an wird sich der Boden weigern, seine Erträge weiter zu steigern, 
schon weil der Standraum für die pflanzen fehlt. Dies Gesetz 
des fallenden Ertrages wird von der neueren Theorie mit gutem 
Grunde auch für die Industrie behauptet; so läßt sich etwa die 
Tourenzahl des webstuhles nicht über eine bestimmte Ziffer in 
der Minute steigern, weil dann die Zahl der Arbeiter zur Be 
dienung vermehrt und damit die Rosten unproportional gesteigert 
würden. Diese Grenze ist freilich in der Industrie erst in seltenen 
Fällen erreicht, die Abnahme kann auch Lurch technische Neue 
rungen überkompensiert werden, und vor allem läßt sich in der 
Regel noch die Zahl der Fabriken vermehren. Denkbar ist auch 
hier eine Grenze, wo die Beschaffung des Rohstoffes nur mit 
steigenden Rosten sich ermöglichen läßt oder Arbeitskraft und 
Kapital in anderen Gewerben ökonomischer zu verwenden sind. 
Dieses Produktionsoptimum technischer Natur findet ein Seitcn- 
stück in dem Optimum der Bedürfnisbefrie 
digung. Der steigende Preis der Arbeit, die Lobnerhöhungen, 
haben in zahlreichen Fällen sowohl in primitiven Zuständen wie 
in denen hochentwickelter Volk-wirtschaft nicht zu einer höheren 
Leistung des einzelnen Arbeiters geführt, sondern zu einer ver 
minderten, also einer Senkung des Angebots, weil der Arbeiter 
nunmehr in weniger Stunden als vorher genug für seine Be 
dürfnisse verdiente. 
Das Sinken des Preises wirkt nach unserem Schema angebot 
senkend. Es kann jedoch vorkommen, daß eine Produktion aus 
technischen Gründen „durchhaltcn" muß, so der Hochofen, dessen 
Ausblasen ein schwerer Verlust wäre, so die Landwirtschaft, die 
ihren Betrieb durch schlechte wia gute Jahre gleichmäßig durch 
führen muß. Trotz sinkender Nachfrage bleibt also das An 
gebot — wenigstens eine Zeitlang — unvermindert. Ja es kann 
sogar das Umgekehrte eintreten; gerade weil die preise niedriger 
sind, produziert Der Einzelne mehr als bisher, um den Gewinn- 
entg'ang am Stück durch dm Verkauf einer größeren Anzahl
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.