Object: Arbeiterschaft und Kolonialpolitik

und je höher der Preis des Pflanzungskautschuks gehalten 
wurde, desto lieber war es ihnen, die im Preis immer ein wenig 
unter dem des Pflanzungskautschuks blieben, und die Gewinne, 
da sie stehendes Kapital nicht zu verzinsen hatten, in ihre 
Tasche stecken konnten. Je stärker die Weißen die Pflanzung ein- 
schränkten, desto munterer pflanzten die Eingeborenen mit dem 
Erfolg, daß schließlich in Niederländisch-Indien den 132 000 t 
Pflanzungskautschuk 93000 t „Eingeborenenkautschuk‘“ gegen- 
überstanden, die die Preise drückten, während 1926 die Welt- 
produktion an Wildkautschuk 24 000 t betragen hatte. Wenn 
heute der Stephenson-Plan aufgehoben ist, so ist es das Werk 
der Eingeborenen, gegen die alle kapitalistische Klugheit nichts 
auszurichten vermochte. Damit war der Beweis erbracht, daß 
die Eingeborenen durchaus nicht etwa hilflos sind. Ihnen fehlt 
nur die notwendige Organisation, die sie stark macht gegenüber 
den weißen Ausbeutern. 
Mit ihrer Hilfe allein könnte es ihnen auch gelingen, die 
Zwangsarbeit, die noch fast überall in dieser oder jener 
Form besteht, abzuschaffen. In letzter Zeit scheint sie sogar an 
manchen Stellen neu eingeführt worden zu sein. So ermächtigt 
z. B. ein Dekret vom 3. Juni 1926 den Generalgouverneur von 
Madagaskar, „angesichts des Arbeitermangels diejenigen, die 
sich bisher, versteckt in Wäldern, der Arbeit entzogen hätten, 
zur Arbeit an öffentlichen Bauten, Wegen usw. heranzuziehen‘. 
Noch krasser liegt ein Fall, der vor kurzem aus Britisch- 
Ostafrika gemeldet wurde. Dort ist den Massai von den Eng- 
ländern jede kriegerische Betätigung verboten und alle Waffen 
sind ihnen entzogen worden, um sie zu der elend bezahlten 
Farmarbeit zu zwingen, gegen die sie sich bisher mit Erfolg 
gesträubt hatten, solange ihnen die Jagd noch Lebensmöglich- 
keiten bot. Aber obwohl die Regierung mit Gewaltmitteln und 
wirtschaftlichem und gesetzlichem Druck gegen die Ein- 
geborenen vorging, um sie zur Arbeit in den Plantagen, Eisen- 
bahnen und industriellen Unternehmungen zu zwingen, zogen 
sie es vor, zu hungern, statt zu Lohnsklaven zu werden, Auch 
die Ernennung einer Kommission „für ein wirksameres Zu- 
sammenarbeiten zwischen Weißen und Schwarzen‘ gelangte 
nicht zum Ziel; die „Kikuyu Central Association‘, die Ver- 
tretung der Stämme des Kenialandes, hat die Abschaffung der 
Zwangsarbeit und Garantien für die wenigen ihnen noch ver- 
bliebenen Bodenstücke verlangt. 
Ein ernsthafter Wille zur Abschaffung der Zwangsarbeit ist 
bei den Regierungen nirgends zu finden. Im Gegenteil besteht die 
Gefahr, daß sie durch scheinbar den Eingeborenen freundliche 
Dekrete legalisiert wird. Vor allem scheint das in der Absicht 
des Völkerbundes zu liegen, dem 1925 ein entsprechendes Dekret
	        
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