Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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schnittspreise von 1829—43, während welcher die Skala bestand, 
hatten recht erhebliche Schwankungen aufzuweisen: 1835 war der 
Preis pro Qu., wie oben bereits angegeben, 39 Sh., 1837 55, 1839 70. 
Aber ausserdem ergeben sich z. B. im Jahre 1836 zwischen dem 
höchsten und niedrigsten Wochendurchschnitt Differenzen von fast 
26 Sh. bei Schwankungen von 36—62, im Jahre 1838 von 52—78, 
1839 von 65—81 Sh. u. s. w., so dass von einer wirklichen Aus- 
gleichung gar nicht die Rede war. Im Gegenteile zeigte es sich, dass 
die einseitige Spekulation dadurch in ausserordentlicher Weise begün- 
stigt würde. (S. darüber Tooke und Newmarch, Die Geschichte 
ınd Bestimmung der Preise, übers. v. Ascher 1862, Bd. II. K. Diehl, 
Ueber die Frage beweglicher Getreidezölle, Jahrb. f. Nat.-Oek. 1900, 
3. F., Bd. XIX.) Die hohen Zölle veranlassen stets eine erhebliche Kon- 
zentrierung des Handels in wenigen Händen, denn nur die grossen 
Händler sind imstande, die bedeutenden Auslagen auf sich zu nehmen, 
die dadurch bedingt werden. Das zeigte sich in England, das zeigt 
sich ebenso jetzt in Deutschland. Für diese liegt nun nichts näher, 
als mit ihren Vorräten zurückzuhalten, wenn die Preise niedrig und 
die Zölle hoch sind, um sofort das Land mit Ware zu überschwemmen, 
sobald der Zoll infolge Preiserhöhung herabgegangen ist. Das fand 
in England damals in grossartigem Massstabe statt, und die Händler 
erzielten hohe Gewinne. Die grosse Masse der Farmer indessen, 
die die Verhältnisse nicht zu übersehen vermochten und nicht im- 
stande waren, die günstigsten Momente zum Verkaufe abzuwarten, 
litten unter den Verhältnissen. Daher bildete sich gerade die grösste 
Opposition gegen die Skala in den landwirtschaftlichen Kreisen heraus. 
Bauend auf den wechselnden Zoll, der ihnen einen bestimmten hohen 
Getreidepreis garantieren sollte, übernahmen sie hohe Pachtzinsen und 
erlebten grosse Enttäuschungen, weil sie diese Preise nur ausnahms- 
weise zu erlangen vermochten. Man hat nun gemeint, dass sich in der 
neueren Zeit doch die Handelsverhältnisse erheblich geändert hätten 
und jetzt nicht das gleiche Resultat zu erwarten stünde, welches sich 
damals in England gezeigt hat. Es ist aber nicht abzusehen, worin die 
Veränderung liegen soll. Die Konzentrierung des Handels ist, wie 
zesagt, eine ganz ähnliche, die Interessen der Händler gehen völlig 
Hand in Hand; Dampfschifffahrt, Eisenbahn, Telegraphenwesen erleich- 
tern nur in ausserordentlicher Weise die intensive Ausnutzung einer 
momentanen Konjunktur. Es kann deshalb das Ergebnis nur ein noch 
intensiveres sein wie in früheren Zeiten, Der Bedarf Deutschlands an 
ausländischem Getreide ist heutigen Tages bedeutend genug, um einen 
erheblichen Einfluss auf die Preise im Inlande ausüben zu können und 
eine Zurückhaltung der Zufuhr fühlbar zu machen. Es steht deshalb 
eine Verschärfung der Schwankungen in sicherer Aussicht, während die 
Landwirte gerade das grösste Gewicht auf eine (Heichmässigkeit der 
Preise legen. Die Massregel kann deshalb nicht als eine günstige 
>mpfohlen werden. 
8 66. 
Allgemeine Grundsätze der Schutzzollpolitik. 
Jeder Schutzzoll schliesst, wie wir sahen, für einen Teil der Be- 
völkerung Opfer ein; bald werden einzelne Produktionszweige anderen
	        
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