b} Die „Förderung des Meliorationswesens“
Obwohl bei den Beratungen des Reichstages über das „Hilfs-
programm für die Landwirtschaft“ die Frage der Bodenmeliorationen
nicht Gegenstand der Gesetzgebung war, hat die Denkschrift des
Reichsernährungsministers doch die „Förderung des Meliorations-
wesens“ als ersten Punkt aufgestellt und behandelt, Dies entspricht
den jahrelangen Forderungen der Landbundführer, die mit beson-
derem Nachdruck vom Grafen Kalckreuth und später vom Frei-
herrn v, Richthofen-Boguslawitz, dem schlesischen Führer,
vertreten wurden. (Offener Brief an die Preußenregierung in der
„Deutschen Tageszeitung” vom 13. 12, 27.)
Als im Reichstag 1926 über die Verwendung der für die produk-
tive Erwerbslosenfürsorge bereitgestellten Mittel verhandelt wurde
und eine größere Anzahl Kanalbauprojekte auftauchten, führte der
Landbund eine heftige Kampagne unter dem Stichwort: „Nicht
Kanäle, sondern Meliorationen.” Nach den Aufstel-
lungen des Deutschen Landwirtschaftsrates umfassen die ent-
wässerungsbedürftigen Flächen Deutschlands,
abgesehen von den 2 Millionen Hektar Oed- und
Moorflächen, rund 8% Millionen Hektar. Von den
rund 8 Millionen Hektar Wiesen und Weiden in Deutschland sind
rund 2 Millionen Hektar schlecht bewirtschaftet, versumpft und
verunkrautet, Auf den Wiesen Deutschlands wird durchschnittlich
nicht mehr als 42 Doppelzentner je Hektar geerntet. Durch Melio-
rationen ‚könnte der Ertrag auf 60 bis 80 Doppelzentner gesteigert
werden. Mit etwa 4 Milliarden Reichsmark könnte eine Mehr-
arzeugung von Getreide-, Futter- und Zuckermitteln im Werte von
jährlich 1,5 Milliarden Reichsmark erzielt werden.
Noch weiter geht Richthofen in seinen Anfang des Jahres 1928
anläßlich einer Polemik mit dem preußischen Landwirtschafts-
minister Steiger gemachten Aufstellungen, Nach ihm könnte
eine umfassende Entwässerung die Produktion je’ Jahr um 3 bis
4 Milliarden Mark steigern, Bei Instandsetzungen der vorhandenen,
„großenteils verwahrlosten Anlagen“ um erheblich mehr! Nach
Richthofen sind „bestenfalls“ 40 Prozent der landwirtschaftlich ge-
nutzten Fläche in Deutschland gut entwässert, 30 Prozent weisen
infolge „grober Vernachlässigung der Anlagen” starke. Schwankungen
und Rückschläge auf, und 30 Prozent bringen „wegen vollkommener
Versauerung und großer Wasserschäden‘ weniger als eine halbe
Ernte, Bei Rüben und Getreide könnte nach Richthofen eine fach-
Männische Bodenentwässerung den Ertrag um 50 Prozent, bei Kar-
toffeln sogar um 100 Prozent steigern. Vor allem stellte Richthofen
lest: „Vieles könnte bald geändert werden, wenn die unteren Dienst-
stellen in stärkerem Maße angewiesen würden, alljährlich den Be-
Stimmungen des Wassergesetzes entsprechend die so wertvollen Ent-
wässerungsanlagen — Vorflutgräben, Wasserläufe dritter Ordnung —
zu schauen, Die Hilfslosigkeit besonders kleinerer Landwirte sei