Full text: Die Industrialisierung der deutschen Landwirtschaft, eine neue Phase kapitalistischer Monopolherrschaft

Tatsache, daß nach Aufstellungen von Dr, Ries die Kosten für 
Jahresamortisation und Verzinsung einer Mähmaschine bereits ge- 
deckt sind, wenn sie bei der Heuernte die bei verspätetem Schnitt 
eintretenden Eiweißverluste auf zwei Hektar um 1 v, H, verringert, 
Beim Trocknen des Heus kann vorzeitiger Regen Verluste von über 
40 v. H, herbeiführen; erspart der Schwadenwender auf drei Hektar 
nur 15 v. H.; so sind die Kosten für Amortisation und Verzinsung 
gedeckt. Spart der Bindemäher auf 5 Hektar einen Körnerverlust 
in Höhe der 1,5fachen Aussaat, so ist abzüglich der geringen Kosten 
für Bedienung und Instandhaltung alle weitere Ersparnis reiner 
Gewinn, 
Nach den obenerwähnten Erfahrungen Brauers wird heute erst 
ler fünfte Teil der deutschen Anbauflächen neu- 
zeitlichen Forschungsergebnissen entsprechend bestellt. Daher 
kommt es, daß Musterbetriebe um 50 v, H. über dem 
landesüblichen Durchschnitt liegende Erträg- 
nisse ergeben, So ist z. B, die in Reihen stehende Drillsaat heute 
in noch nicht einem Zehntel der Betriebe üblich — von der Einzel- 
korndrillsaat ganz zu schweigen. Sorgfältige Versuche ergeben bei 
Rübenanbau auf maschinell gefrästem und gehacktem Boden um 
80 Prozent höhere Erträgnisse als auf dem nach landesüblichem 
Verfahren gepflügten Boden. Schon 1925 stellte der Schriftleiter 
Zander der Zeitschrift „Technik in der Landwirtschaft‘ fest, daß die 
Beschaffung einer Sämaschine und einer Hackmaschine im Werte 
von zusammen 560,— Mark sich bereits in 2 Jahren bezahlt mache, 
wobei ein Zinssatz für die geliehene Kaufsumme von 15 Prozent ein- 
gerechnet wird, Das Kapital für neue Hackmaschinen mache sich 
schon dann in: einem Jahre bezahlt, wenn nur 20 Prozent der 
deutschen Erntewerte um ein Zehntel gesteigert werden, 
Die auf der Landwirtschaftlichen Wanderausstellung der De ut- 
schen Landwirtschaftsgesellschaft in Leipzig (Juni 
1928) gezeigten amerikanischen „Mähdrescher‘ werden in den land- 
wirtschaftlichen Zeitungen allgemein. als der „Höhepunkt der Ma- 
schinisierung des Erntebetriebes‘“ gepriesen. In der „Deutschen 
Tageszeitung‘ vom 16, Juni 1928 schrieb Dipl-Ing, Bruno Victor: 
„Der Mähdrescher ist an und für sich geeignet, die Erntekosten 
auf ein Minimum herunterzubringen.‘ Bereits hat das „Reichs- 
kuratorium. für Technik in der Landwirtschaft” erhebliche Mittel 
zum Studium der Frage ausgeworfen, inwieweit diese amerikani- 
schen Konstruktionen sich für deutsche Verhältnisse eignen. 
Neben den Fragen, die sich mit der geringeren oder größeren 
Verwendbarkeit, Haltbarkeit, Rentabilität der verschiedensten 
Maschinensorten und -konstruktionen beschäftigen (Stahl-‘ oder 
Holzsilos für Grünfutterkonservierung, Pflug oder Bodenfräse, 
mechanischer Höhenförderer oder Preßluftförderer, Steinschrotmühle 
oder Hartgußschrotmühle, Saugstriegel etc,), erweckte das höchste 
Interesse der Agrarindustriellen der von den Siemens-Schuckert- 
Werken ausgestellte Elektrohof und vor allem der „Stahl- 
gutshof” des Stahlwerksverbandes Düsseldorf, Die Dachkon-
	        
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