I andbundoffensive und Bauernschaft
Mit einer überraschenden Heftigkeit und in bisher unerreichtem
Umfang setzte Anfang Januar 1928 die Demonstrationskampagne des
Landbundes ein. Alle Organe der Rechtsparteien, des Landbundes
und der Landwirtschaftskammern brachten wie auf Kommando fette
Ueberschriften über die „Katastrophe in der Landwirtschaft”, Hun-
derte von kleineren und größeren Tagungen fanden statt in den
Kreisen, Provinzen und Ländern, teils vom Landbund einberufen,
teils organisiert von den Landwirtschaftskammern, Ihren Gipfel-
punkt fanden sie in der Führertagung der nord- und
mitteldeutschen Landbünde Ende Januar in Berlin, die
ein ausführliches wirtschafts- und handelspolitisches Programm be-
schloß, in der großen Landbundkundgebung im Zirkus
Busch während der Grünen Woche und in der „Nottagun g”
des Deutschen Landwirtschaftsrates, an der außer
den wichtigsten Reichsministern auch Hindenburg in eigener Person
teilnahm.
Derselbe Landbund, der sonst nicht genug über die „Politik der
Straße‘ schelten konnte, rief in Dutzenden kleinen und mittleren
Städten die Bauern und Landarbeiter auf die Straße. Da wurden
flammende Reden gehalten, bei denen mit Worten wie „Unsere Ge-
duld ist zu Ende”, „Verweigert jede Zahlung aus der Substanz‘ und
sogar „Bauernrevolution” nur so herumgeworfen wurde. Der Hanno-
versche Landbundführer Herr von Hammers tein sprach von
der Zeit, wo „die weiße Armee bei Göttingen“ stehen werde, und
der Landbundvorsitzende für Mecklenburg-Schwerin v, Wend-
hausen erklärte frisch, fromm und frei: „Die innerpolitischen
Kämpfe werden viel. Blut kosten, jedoch werden die vaterländischen
Verbände siegen‘, Der Pommersche Landbund sandte eine Dele-
sation an die Preußenregierung, die, als der Ministerpräsident und
Sozialdemokrat Braun: sie nicht empfing, mit dem Marsch der pom-
merschen Bauern nach Berlin drohte. In Kyritz, einer kleinen
Stadt im westlichen Brandenburg warf man dem Finanzamt die
Scheiben ein, in Langenoels, im Kreise Nimptsch, Schlesien;
verhinderten etwa. 1500 Bauern einige Zwangsversteigerungen, wWO-
bei Landespolizei mit Gummiknüpneln und geladenen Maschinen-
pistolen vorging,