kommen relativ teurer als große Maschinen für den Großbetrieb,
Wie soll aber der Kleinbauer an der „Standardisierung“ teilnehmen?
Die bisherige individualistische Wirtschaftsweise. hat eine solche
Maännigfaltigkeit in den Leistungen der einzelnen Wirtschaften her-
vorgerufen, daß die Erzeugung von Standardware nach holländi-
schem oder dänischem Muster nur noch unter sehr großen Schwie-
rigkeiten, und in einem längeren, mit Staatshilfe ge-
förderten Umerziehungsprozeß möglich erscheint, In-
zwischen aber kann der reorganisierte und modernisierte Groß-
betrieb den Kleinbauern völlig vom Markte, selbst vom lokalen
Markte vertreiben bezw. ihn zum’ Verschleudern seiner Ware
zwingen. (Der Hinweis, daß in Holland und Dänemark eine Standar-
disierung gerade der bäuerlichen Wirtschaft erfolgreich durchgeführt
wurde, muß hier ausschalten, weil hier eine ganz andere soziale
Struktur als in Deutschland herrscht. Es fehlt dort die erdrückende
Ueberlegenheit kapitalistischer Großbetriebe, ebenso wie die Masse
der halbproletarischen Zwerg- und Kleinbauern,)
Damit ist die Kernfrage des Verhältnisses von Agrarkapitalist
und Bauer in der neuen Phase der Landwirtschaft gestellt, Alle
bürgerlichen Maßnahmen zur Reorganisation und Industrialisierung
der Landwirtschaft — sowohl die privaten wie die staatlichen —
laufen nicht darauf hinaus den Abstand zwischen den Leistungen
des bäuerlichen Kleinbetriebes und des rationalisierten Groß-
betriebes zu verringern, sondern zu vergrößern, Die Mittel, die die
agrarischen Organisationen im Bündnis mit dem Industrie- und Bank-
kapital zur Beseitigung der „Agrarkrise‘ anfordern, und die der
bürgerliche Staat — gleichgültig ob Weimar-Koalition oder Bür-
gerblockregierung — bewilligt, sind nicht Mittel zur Rettung der
vorkapitalistischen Bauernwirtschaft, die in ihrer bisherigen indi-
vidualistischen Form gar nicht-zu retten ist, sondern zur Stärkung
der kapitalistischen Betriebe, Und die neuen Organisationsformen,
die jetzt im Verlaufe des Industrialisierungsprozesses in der Land-
wirtschaft eingeführt werden .(Vereinheitlichung der Genossen-
schaften, Schaffung zentraler Getreide- und Viehverwertungsgesell-
schaften; Zusammenfassung von Betrieben zu Konzernen und Inter-
essengemeinschaften, Zentralisierung des landwirtschaftlichen Bank-
wesens zunächst in zwei Spitzen: Rentenbankkreditansalt und
Preußenkasse), sind wiederum keine Organisationsformen zur He-
dung der Bauernwirtschaft über die veraltete individualistische
Stufe hinaus, es sind typische Herrschaftsorganisationen des sich
immer mehr monopolistisch entwickelnden Agrarkapitals und seiner
immer engeren Verschmelzung mit dem großen Finanzkapital. Die
landwirtschaftlichen Genossenschaften werden unter Leitung der
Agrarkapitalisten aus Dienern zu Herren des Bauern, aus Werk-
zeugen der Selbsthilfe zu Werkzeugen der wirtschaftlichen Er-
drosselung, Die Kreditgenossenschaften waren früher Organe zur
ausgleichenden. Verwertung des kleinen bäuerlichen Sparkapitals,
sie sind heute eingestandenermaßen. in erster Linie Kanäle des in
die Landwirtschaft hineingepumpten Leihkapitals der Banken und