Hannover (Christlichnationale Bauernpartei) und durch den Führer
des Bayerischen Bauern- und Mittelstandsbundes, den bayerischen
Landwirtschaftsminister Fehr (Deutsche Bauernpartei) inauguriert
wurden, sind alle ausgesprochene Auffangorganisationen,
die‘ den befürchteten Linksabmarsch breiter Klein- und’ Mittel-
bauernmassen aufhalten und auf Umwegen ins reaktionäre Bett zu-
rückleiten sollen. Besonders typisch für die tiefe Mißstimmung klein-
bäuerlicher Kreise, die sich auch gegen die eigenen Führer wen-
deten, ist jener Ausspruch eines hessischen Bauern in einer, von
Hepp geleiteten Versammlung, der erklärte, seine Ortsgruppe werde
bei den kommenden Wahlen kommunistisch wählen, denn schlechter
als zur Zeit könne die Lage der Bauern nicht mehr werden.
Die Landbunddemonstrationen, die „radikalen‘ Redensarten, die
kraftmarkierenden Beschlüsse („Wir dulden keine Einfuhr von Er-
zeugnissen, die die deutsche Landwirtschaft selbst herstellen kann")
sind also von oben — vom Standpunkt der Großagrarier be-
trachtet, — der Kanal, durch den die angesammelte Hochflut der Un-
zufriedenheit der Bauernmassen in das Sammelbecken großagrari-
scher Macht- und Konzentrationspolitik abgeleitet wird, von un-
ten her gesehen aber der Ausdruck einer in weiten Kreisen der
werktätigen Bauern und des gewerblichen Mittelstandes vorhan-
denen ziemlich verzweifelten Stimmung. Der stark faschistische Ein-
schlag, vor allem in Brandenburg und Mecklenburg — in Schwerin
trug man eine schwarze Fahne voran! — ist die bekannte Begleit-
erscheinung solcher Stimmungen der von der Pröletarisierung be-
drohten Mittelschichten.,
Welche ökonomischen Vorgänge verbergen sich hinter diesen
politischen Erscheinungen? oder besser gesagt, welche technisch-
wirtschaftlichen Umwälzungsprozesse haben diese politischen Be-
wegungen ausgelöst? Die Beantwortung dieser Frage sowie die
Aufdeckung der politischen Demagogie des Landbundes wird er-
leichtert, wenn wir zunächst die Vorgeschichte des „Notprogramms“
betrachten, mit dem die Bürgerblockregierung im Auftrag des
Finanz- und Agrarkapitals auf die Demonstrationen des Landbundes
antwortete. Schon die Vorgeschichte dieses „Hilisprogramms für die
Landwirtschaft‘ zeigt ganz deutlich die Umrisse einer neuen
Phase der kapitalistischen Landwirtschaft in
Deutschland, einer Phase, die gekennzeichnet ist durch wac h-
sende Verschmelzung des Großagrar- und Fi-
nanzkapitals, durch die beschleunigte Industrialisie-
rung der Agrarbetriebe, durch die Schaffung agrar-
kapitalistischer Monopole mit starkem staatskapi-
talistischem Einschlag, durch die Verwandlung der
landwirtschaftlichen Genossenschaften in Herr-
schaftsorgane des verbündeten Finanz- und Agrarkapitals sowohl
über die Massen der „Konsumenten‘ wie über die Bauern selbst,
durch die zunehmende Verelendung der kleinen
Bauernschaft und die Bankkontrolle über Mittel-
und Großbauern.