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Organisation des Dezemberaufstandes in Moskau durch die Bolsche-
wiki zu verstehen, denn nach ihrer Meinung sollte die Revolution
zur proletarischen Herrschaft führen, oder wenigstens zu einer be-
trachtlichen Veränderung des bürgerlichen Staates in sozialistischer
Richtung. Man überschäkte die Kraft des revolutionären Proletariats.
Die Niederlagen vereitelten den Fortgang ın dieser Richtung, zwan-
gen die sozialdemokratischen Fraktionen 1906 zur Vereinigung. Lenin,
der noch bis zum Jahre 1907 illegal in Petersburg und dann in dem
finnischen Kuokkalla gelebt hatte, sah sich von neuem gezwungen,
vor der Gegenrevolution den Rückzug ins Ausland anzutreten. In
Paris und Genf erschien nun eine ganze Literatur an illegalen
Broschüren, sowie die Zeitschriften „Proletarij‘‘ und „Sozialdemo-
krat“. Eine Zeit der größten Entbehrungen für den konsequenten
Revolutionar brach an, in der er zu dem Mittel neuer wissenschaft-
licher Beschäftigung griff, um die Zeit neben seinen Pflichten als Ver-
tIreter bei der Il. Internationale auszufüllen. Ein Werk entstand, das
die materialistische Geschichtsauffassung zum Thema hatte: „Der
Materialismus und der Empiriokritizismus‘ 1°). In diese Epoche fallt
auch sein Antrag auf dem Stuttgarter internationalen Kongreß 1907,
der verlangt, daß im Kriegsfalle die Sozialisten aller Länder die
Pflicht hätten, mit allen Kräften die dadurch entstehende politische und
wirtschaftliche Krise auszunuben, um den Sturz der kapitalistischen
Herrschaft herbeizuführen. Von neuem entbrannte bald der Kampf
zwischen Bolschewisten und Menschewisten, so daß wieder eine
Spaltung 1912 eintrat; der neu einsebende Aufschwung der Arbeiter-
bewegung in Rußland gab ihm Nahrung. Zwei Zeitschriften hatten
bolschewistischerseits in Petersburg und Moskau inzwischen legal be-
stehen können, ‚Svesda“ und „Mysi“, und eine kleine Arbeiterfraktion
von sechs Abgeordneten repräsentierte sie in der Staatsduma, wo sie
nach neuem Beschluß auf Vorposten zu stehen hatten zur Ausnubung
der „legalen Möglichkeiten“. Die Partei begann langsam zu wachsen,
das Zentralkomitee mit Lenin siedelte nach Krakau über, um der
russischen Grenze näher zu sein, und eine neue Zeitschrift, „Pravda“,
16) Das über 20 Bogen umfassende Werk: „Materializm i_Empiriokri-
ticizm“ (Neuauflage Moskau 1920) war eine Antwort auf ein Sammelbuch:
„Entwurf einer materialistischen Philosophie“ von Lunatscharski, Bogdanow,
Basarow usw. .
In diese Zeit fällt auch die Mitarbeiterschaft an dem ökonomischen Hand-
wörterbuch Granat. Daraus erschien in Sonderdrucken:
1. Die Agrarfrage in Rußland am Ende des 19. Jahrhunderts (auch deutsch,
Berlin: Verlag Seehof & Co., 1920). . . .
Karl Marx. Kratkij biograficeskij ocerk, c izioZeniem Marksizma.
Moskva 1922.