Full text: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Gewiirzöl 
138 
Gips 
Molukken- oder englische Compagnie-N. 
genannt; dann folgen die dunkleren Zanzibar- 
und Madagaskar-N., und schließlich die ganz 
minderwertigen amerikanischen Antillen-, 
Kayenne- oder Bourbon-N. Die Blüten wer 
den noch im Knospenzustande gepflückt, auf 
Matten über schwachem Feuer etwas geräuchert, 
wobei sie ihre braune Farbe annehraen, an der 
Sonne völlig getrocknet und von den Stielen 
befreit. Der Wert der N. hängt von ihrem 
Gehalt an ätherischem Öl (s, Nelkenöl) ab, der 
t6—20% beträgt. Daneben enthalten sie noch 
9°/o Fett, 6°/o Protein, 9,S°/o Rohfaser, 7,5 °/o 
Asche und 45 °/o Extraktstoffe. Marktfähige 
Ware muß schwer und voll, ohne Schrumpfung 
und holzige Trockne, vielmehr biegsam und 
weich sein und vor allem das Köpfchen noch 
haben, weil dieses zur Erhaltung de,s Öles dient. 
Beim Drücken mit dem Nagel muß reichlich Öl 
zutage treten. Die G. unterliegen zahlreichen 
Verfälschungen, von denen die Beimengung ex 
trahierter Ware oder von Stielen am häufigsten 
ist. Die erstere erkennt man daran, daß sie beim 
Drücken kein Öl austreten läßt und im Wasser 
in horizontaler Lage schwimmt, während voll 
wertige G. in Wasser untersinken oder sich doch 
senkrecht stellen. Der Gehalt an ätherischem 
Öl soll mindestens io%, der Gehalt an Stielen 
höchstens 10% betragen. Die gebräuchlichste 
Verfälschung der gemahlenen G,, Mehl und 
Zwieback, erkennt man leicht mit Hilfe des 
Mikroskops, weil G, keine Stärke enthalten. Eine 
einfache Vorprüfung besteht in dem Verstäuben 
des Pulvers auf Eisenchloridlösung, wobei alle 
echten Teilchen sich blau färben. Die zur Ver 
fälschung benutzten Blüten stiele (Nelken 
stiele, Nelkenstengel, Fusti) enthalten s bis 
6°/o eines dem Nelkenöle ähnlichen, aber we 
niger angenehm riechenden ätherischen Öles und 
bilden einen zur Bereitung von Parfüm und Li 
kören benutzten Handelsartikel, ebenso die reifen 
Früchte des Nelkenbaumes, die Mutternelken 
(lat. Anthophylli, frz. Fruits de girofle, engl. 
Mother Cloves), welche zu Teegemischen und 
Augenwässern beschränkte Anwendung finden. 
Gewürzöl, ein Gemisch verschiedener ätheri 
scher Öle (Zitronen-, Zimt-, Kardamomen-, Mazisöl 
usw.), das von Drogisten als Zusatz zu Backwaren 
verkauft wird. 
Gießhübler Sauerbrunnen von Gießhübl-Puch- 
stein in Böhmen. Die obere, sog. Künig-Otto- 
Quelje, und die untere Quelle haben für 1000 
Gewichtsteile folgende Zusammensetzung: Bi 
karbonate des Natriums: 1,1928 bzw. 1,0768g, 
Kahums 0,1086 (0,0860) g, Lithiums 0,0104 
(0,0006) g, Kalziums 0,3438 '0,0222) g, Strontiums 
0,0029 g (—), Magnesiums 0,2134 (0,1341) g, Eisen 
oxyduls 0,0036 ;o,cc>75)g, Manganoxyduls 0,0014 
(0,0009) g; Chlorkalium 0,0304 to,0216) g; Kalium- 
sulfat 0,0339 (0,0291) g; Tonerde 0,0029 (0,0027) g. 
Kieselsäure 0,0594 (0,0450) g; organische Stoffe 
0,0010 (0.0018) g und freie Kohlensäure 2,3739 
(1,8507) g. 
Giftlattich (lat. Herba lactucae virosae, frz. 
Herbe de laitue vireuse, engl. Wild Lettuce), 
eine zweijährige, besonders im südlichen und 
südwestlichen (Europa heimische, zum medizi 
nischen Gebrauche dienende Komposite, Lac- 
tuca virosa, enthält einen brennend scharfen 
und bitteren Milchsaft, der teils in Form eines 
weingeistigen Extrakts (lat. Extractum Lactucae 
virosae, frz. Extrait de laitue vireuse, engl- 
Extract of Lettuce) aus den frischen Blättern 
und Blüten, teils als sog. Lactucarium (frz. 
Lactucarium, engl. Lettuce Opium) angewandt 
wird. Das letztere ist der an tler Luft er 
härtete Saft, der durch Einschnitte in den Stengel 
ausgeflossen ist, eine bräunliche Masse von krat- 
zend-bitterem Geschmack und opiumähniiehem 
narkotischen Geruch. Außer diesem Extrakt, 
das in Deutschland und England auf dieselbe 
Weise gewonnen wird, benutzt man besonders in 
Österreich und Frankreich den gewöhnlichen 
Gartensalat (Lactuca sativa) zur Darstellung 
von Lactucarium, das ebenso, aber viel schwächer 
wirkt als das vorige. 
Gin nennt man verschiedene, in England ge 
bräuchliche Sorten von Getreidebranntwein, der 
mit Gewürzen destilliert wird. 
Gingslly ist eine Art ostindischer Raps, der 
dort in bedeutender Menge angebaut und sowohl 
im Lande selbst verbraucht, als auch für die 
Zwecke der Ölgewinnung nach England aus 
geführt wird. Haupthandelsplätze für den als 
weißen und schwarzen unterschiedenen G. sind 
Kalkutta und Curachee. 
Ginsengwurzel (Kraftwurzel, lat.Radix ninsi 
s. Ginseng, frz. Racine de ginseng, engl. Gin- 
seng-root), eine von den Chinesen als Stärkungs 
oder Reizmittel hochgeschätzte Droge, stammt 
von Panax quinquefolius, einer Pflanze, die 
bei uns in Gärten und Anlagen als Blattpflanze 
nicht selten vorkommt. In unserem Arznei 
schatz hat sich die Droge keine Stelle erringen 
können. 
Gips (Sparkalk, lat. Gypsum, Calcium sul- 
furicum ustum, frz. Gypse, Blätre, engl. Gypsum), 
ein aus wasserhaltigem, schwefelsaurem Kalk 
Kalziumsulfat), CaS0 4 , bestehendes Mineral, fin 
det sich in verschiedenen Abarten, teils dicht 
und derb als festanstehendes Gestein, teils in 
faserigen Aggregaten (Fasergips) oder als lok- 
l-.ere schuppige Masse (Schaumgips), oder end 
lich in mehr oder weniger großen Kristallen als 
Gipsspat, Fraueneis oder Marienglas (lat. 
Glacies Mariae, frz. Verre fossile, engl. Moon 
Stone). Auch der Alabaster ist seiner che 
mischen Zusammensetzung nach wasserhaltiges 
Kalziumsulfat. Der G. ist weicher als der Kalk 
stein und läßt sich daher leicht gewinnen. Das 
meist weiße, seltener farbige Mineral löst sich 
in ungefähr 400 Teilen Wasser, verliert beim Er 
wärmen über 100 0 Wasser und ist bei 170° voll 
kommen wasserfrei. Auf der Eigenschaft dieses 
sog. gebrannten G., beim Anrühren mit einer 
bestimmten Menge Wasser unter chemischer 
Bindung desselben wieder zu erhärten, beruht 
seine Anwendung zur Herstellung von Abgüssen. 
Zu letzterem Zwecke wird er in feingemahlenen' 
Zustande in den Handel gebracht. Zu stark ge 
brannter, d. h. bis auf 220 0 erhitzter G. verliert 
die Eigenschaft, Wasser zu binden und damit zu 
erhärten, und wird dann als totgebrannt be 
zeichnet. Wasserfreier G. findet sich auch 
schon in der Natur als fest anstehendes Gestein 
und heißt mineralogisch Anhydrit. Der ge 
mahlene natürliche G. wird zuweilen unter dem 
Namen Annalith oder Terra alba als Füll
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.