Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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äiisserlichen Nacktheit blosgestellt, und hierin liegt wiederum ein 
Grund, welcher den sonst so feindlich denkenden Bourgeoisöko 
nomen zum Anknüpfungspunkt für Socialitütsgedanken werden 
lässt. Br, der, wie man aus seinen nachgelassenen „Bemerkun 
gen über Parlamentsreform” (vom Jahre 1823) sieht, sich alle 
gegen die Besitzenden gerichteten Bestrebungen nur in der 
ganz rohen Form der Theilung der grossen Yermögcn denken 
konnte, und nur aus Furcht vor solchen grob finanziellen Thei- 
lungsgedanken unter der unwissendsten Schicht des Volkes das 
allgemeine Wahlrecht noch hinausgeschoben wissen wollte, 
er, der von andern Formen des Olassenkampies noch keine 
Ahnung hatte und die schon damals vorhandenen socialistischen 
Regungen völlig übersah, nahm nicht im Mindesten Anstoss 
daran, sich eines ironisch sein sollenden Anspruchs zu bedie 
nen, dessen Schärfe sich, genauer betrachtet, gegen den Ur 
heber selbst und die ganze Anschauungsweise seiner Gesin 
nungsgenossen kehren muss. ,,Wenn wir , sagt er (in der 
Abhandlung über Ackerbauschutz, Werke S. 467), „in einem 
von Herrn Owens Parallelogrammen lebten und alle unsere 
Hervorbringungen in Gemeinschatt genössen, dann könnte Nie 
mand in Folge von Ueberfluss leiden; aber solange die Ge 
sellschaft wie jetzt eingerichtet ist, wird der Ueberfluss oft für 
die Producenten nachtheilig und Seltenheit für sie wohlthätig 
sein.” Die überreichlichen Ernten, welche über den Durch 
schnitt stark hinausgreifen, und diejenigen, welche hinter dem 
Durchschnitt Zurückbleiben, sind zwar die besondern Fälle, die 
Ricardo hier zunächst vor Augen hat; aber seine Aeusserung 
ist zugleich ein Typus für seine durch die ganze Oekonomie 
hindurchgehenden Voraussetzungen gleicher Art. Nach ihm 
wird die erheblich über den Durchschnitt hinausgehende Ernte 
dem Producenten einen geringem Gesammtgowinn liefern, als 
wenn sie in der Nähe dqs Durchschnitts verblieben wäre. Die 
grössere Menge des Absatzes entschädigt hier nicht für das 
weit bedeutendere Verhältniss, in welchem die Preise gesunken 
sein müssen. So richtig nun auch bei gewissen Maasseii der 
Erhebung über das Durchschnittliche diese durch die Erfahrung 
und innere Gründe ausser Zweifel gestellte Wirkungsart des 
reichlichen Vorraths oder, wie wir kurz sagen, der durch Natur 
oder Concurrenz erzeugten Ueberproduction ist, so hat dennoch 
Ricardo vergessen, dass er mit seiner Hinweisung auf commu-
	        
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