ziehen, teils mit Ausschluß von England wechselseitige Verbindungen
‘gemeint ist Deutschland mit Brasilien u. a.) unter sich anknüpfen.“
Die übrigen Nationen sollen die gleiche Entwicklung einschlagen.
List bejaht jetzt diese Entwicklung, in der England aus seinen Kolonien
allein alle seine Rohstoffe und Nahrungsmittel bezieht und der
internationale Handel zwischen den Manufakturländern zusammenschrumpft.
„Nur schade, daß diese Zustände nicht plötzlich eintreten
können .. .‘“126, List arbeitet auch aus innerpolitischem Interesse diesen
Imperialweg so klar heraus, um in Deutschland prinzipiell die Ansicht
zu brechen, daß die Ausfuhr des norddeutschen Getreides u. a.
aach England in der deutschen Zollpolitik zu berücksichtigen und
England in Manufaktureneinfuhr Zugeständnisse zu machen seien.
Diesen Landwirten sagt List: England begünstigt durch Vorzugszölle
seine eigenen Kolonien, und bald wird es unabhängig sein von deutschem
Getreide wie von amerikanischer Baumwolle, die es in Ägypten
und Indien anpflanzen wird. Deutschland soll ebenso die Produkte des
einheimischen Bodens zur Ernährung der wachsenden Fabrikbevölkerung
verwenden und deshalb mit allen Kräften die Manufakturen
schützen und vermehren.
In der geforderten parallelen Entwicklung Deutschlands liegt der
systematische Ort für Lists publizistisches Eintreten für Handelsverträge
mit südamerikanischen Staaten, besonders mit Brasilien, und
für seine praktischen und theoretischen Bemühungen in Österreich
und Ungarn und für die Donaupolitik127; die germanisch-magyarische
Macht soll bis zur Donaumündung vordringen und das Gebiet in langsamen
Etappen zur Zolleinheit vorbereiten!28 und dann ihren wirtschaftlichen
Einfluß über die Türkei bis ans Rote Meer nach Basra
ausdehnen, Basra, auf das Lists Blick seit Beginn der dreißiger Jahre
intensiv gerichtet war!?9, Dieses quasi-Imperium soll England militärisch
die Landverbindung mit Indien und Ägypten sichern; dafür
England ihm die wirtschaftliche Entwicklung ohne englische Manufakturkonkurrenz
zugestehen.
Diese Wirtschaftspolitik heißt nunmehr die „nationale“. Ihre Lehre
und Wirklichkeit „das Nationale System der politischen
Öökonomie‘1380, 131, Wie der weltpolitische Aspekt dieser Lehren
aussieht, zeigt am ausführlichsten Lists letzte größere Arbeit „Die
politisch-ökonomische Nationaleinheit der Deutschen“1832,
Zur Imperialnation gehört eine bestimmte Zollpolitik. Die literarische
Fehde über die Zollpolitik der vierten Stufe hat die Fundgrube
des Zollvereinsblattes völlig außer acht gelassen, obwohl hier quantitativ
vielleicht die Hälfte aller Listschriften enthalten sein dürfte.
Wir sahen die Zwiespältigkeit der Anschauung und Lehre Lists bezüglich
der Zollpolitik in der Zeit, in welcher die nationalen Manufakturen.
auf dem Weltmarkte konkurrenzfähig geworden sind. Die
rationale Lehre war eindeutig für völligen Wegfall aller Schutzzölle,
in der konkreien Anwendung dagegen wurde eindeutig nur England
diese Pflicht auferlegt. In der Preisschrift und im Nationalen System
findet sich keine dahingehende konkrete Forderung für Frank-61