Full text : Finanzwissenschaft

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4.  Buch.  V.  Teil.  Die  Steuern.

und  Nachfrage  nicht  verändern;  Preis  Veränderungen  treten  nicht
deshalb  ein,  weil  sich  Überwälzungsbestrebungen  betätigen,  sondern
umgekehrt.  Überwälzung  kann  dann  stattfinden,  wenn  die  Preise
sich  verändern,  was  von  Angebot  und  Nachfrage  abhängt.  Aber
wie  bemerkt,  auch  ohne  Überwälzung  wird  der  Preis  stets  das  Verhältnis ­
  von  Angebot  und  Nachfrage  voll  zum  Ausdruck  bringen.
Wenn  sich  eine  große  Nachfrage  nach  einem  Industrieartikel  zeigt,
so  wird  dessen  Preis  mit  und  ohne  Steuerüberwälzung  steigen;  der
Gewerbetreibende  wird  also  aus  dem  Verkauf  mehr  gewinnen,  als
früher  und  wenn  zufälligerweise  in  demselben  Zeitpunkte  seine
Steuer  erhöht  würde,  so  wird  man  die  Preissteigerung  der  Überwälzung ­
  zuschreiben,  während  doch  trotz  neuer  oder  höherer  Steuer
der  Preis  nicht  gestiegen  wäre,  wenn  dies  nicht  die  Verhältnisse
von  Angebot  und  Nachfrage  zur  Folge  hätten.  Die  Überwälzung
ist  somit  mehr  Sache  der  Interpretation,  der  Preis  wäre  auch  sonst
gestiegen,  das  Überwälzungsstreben  an  sich  hat  keinen  entscheidenden ­
  Einfluß.  Bei  günstigen  Marktverhältnissen  wird  also  die  Überwälzung ­
  möglich  sein,  aber  die  Überwälzung  kann  die  günstige
Preisgestaltung  nicht  hervorrufen.
Die  Steuerüberwälzung  setzt  demnach  die  für  die  Überwälzung
günstige  Gestaltung  von  Angebot  und  Nachfrage  voraus,  ohne  welche
der  Preis  sich  nicht  ändern  kann,  die  unmittelbare  Ursache  ist  aber
die  Veränderung  des  Verhältnisses  von  Angebot  und  Nachfrage.
Wenn  aber  doch  die  Steuerüberwälzung  ohne  Änderung  von  Angebot ­
  und  Nachfrage  stattfände,  so  ist  dies  nur  daraus  zu  erklären,
daß  der  Preis  den  Verhältnissen  von  Angebot  und  Nachfrage  nicht
entsprach,  daß  hier  eine  gewisse  Irregularität  in  der  Preisbildung
zu  konstatieren  ist,  ein  Vakuum,  infolge  des  Wachsens  der  Steuerlast ­
  das  Bestreben  nach  Überwälzung  diesen  Zustand  aufdeckte  und
klar  machte,  daß  den  obwaltenden  Verhältnissen  von  Angebot  und
Nachfrage  eine  andere  Preisformel  entspricht.  Die  Steuerüberwälzungstendenz ­
  ist  hier  gewissermaßen  der  Pfadfinder,  der  in  die
Bahn  der  richtigen  Preisgestaltung  hinführt.  Natürlich  bezieht  sich
dies  nur  auf  Steuern,  die  nicht  die  Bestimmung  haben,  vom  Steuersubjekt ­
  überwälzt  zu  werden,  sondern  die  vom  Steuersubjekt  selbst
zu  tragen  wären.
Die  Steuerüberwälzung  ist  also  auch  hier  nicht  so  sehr  Ursache,
als  Gelegenheit  zu  richtiger,  dem  Verhältnis  von  Angebot  und  Nachfrage ­
  entsprechender  Bestimmung  der  Preise.  Als  unmittelbare
Ursache  der  Veränderung  der  Preisformel  kann  die  Steuerüberwälzung ­
  nur  in  dem  Falle  gelten,  wenn  Angebot  oder  Nachfrage
aus  irgendeinem  Grunde  die  Verhältnisse  unrichtig  beurteilten,
            
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