Full text : Die Theorie der Volkswirtschaft

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„Es  ist  leicht  ersichtlich,“  sagt  E.  Friedrich,  „welche  gewaltigen ­
  Vorzüge  Pflanzenbau,  Tierzucht  und  Fischzucht  haben
vor  dem  Sammeln  von  Pflanzen,  dem  Sammeln  von  Landtieren,
das  wir  Jagd,  und  dem  Sammeln  von  Meerestieren,  das  wir
Fischerei  nennen.  Beim  Pflanzensammeln  muß  der  Mensch  die
Nutzpflanzen  dort  aufsuchen,  wo  sie  gerade  stehen.  .  .  Den  beweglichen ­
  Tieren  muß  er  nachjagen  .  .  .“  usw.
Dabei  wird  aber  die  Bevölkerungsdichte  ganz  außer  acht  gelassen, ­
  die  doch  den  Menschen  erst  zwingt,  den  Boden  zu  bestellen,
das  Tier  zu  hüten,  Fische  zu  züchten,  Wälder  zu  pflanzen  usw.
In  einer  dünn  bevölkerten  und  an  Pflanzen,  Tieren  usw.
reichen  Gegend  ist  dieser  Arbeitsaufwand  ganz  überflüssig.  Auch
eine  kulturell  entwickelte  Bevölkerung  würde  unter  diesen  Verhältnissen ­
  sich  mit  einer  „Sammelwirtschaft“  begnügen.  Erst
dort,  wo  die  vorhandene  Bevölkerung  damit  nicht  mehr  auskommen
  kann,  sieht  sie  sich  gezwungen,  künstlich  Pflanzen  zu
bauen,  Tiere  und  Fische  zu  züchten  usw.  Dieser  Schritt  wird
folglich  durch  die  Not  diktiert.
In  seiner  Abhandlung  über  „Die  Abstammung  der  Arier“
(russische  Übersetzung  1897,  S.  151)  berichtet  Tylor  von  den
Jägern  des  neolithischen  Zeitalters,  daß  sie  infolge  ihrer  Vermehrung ­
  zur  Viehzucht  und  zum  Ackerbau  übergingen.
Die  Einwohner  Dänemarks  beschäftigten  sich  nach  Ranke
während  des  neolithischen  Zeitalters  mit  Jagd  und  Fischerei,
während  Ackerbau  und  Viehzucht  ihnen  unbekannt  blieben.
Cäsar  erzählt  von  den  Germanen,  daß  sie  wenig  Landwirtschaft
treiben  und  ihr  ganzes  Leben  auf  der  Jagd  und  mit  militärischen
Übungen  verbringen.  Pomponius  Mela  bemerkt,  wo  er  über  die
Kriege  eines  anderen  germanischen  Stammes  schreibt,  daß  diese
nicht  durch  das  Bestreben  dieses  Stammes  hervorgerufen  werden
konnten,  sein  Ackerfeld  auszudehnen,  weil  er  überhaupt  keinen
Ackerbau  getrieben  hat.  Strabon  erklärt  die  Beweglichkeit  der
Germanen  dadurch,  daß  sie  weder  Ackerbau  trieben,  noch  Schätze
besaßen.*)
*)  M.  Kowalewsky,  Die  ökonomische  Entwicklung  Europas,  Bd.  1
russ.,  S.  345.
            
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