Widmung etwa 10.000 Bildnisse, so daß die aus dem
interessantesten Teil der ehemaligen Habs-
burg - Lothringischen Familien-Fideikommißbibliothek
herausgewachsene Porträt-Sammlung der National-
bibliothek heute gegen 100.000 FEinzelbildnisse
graphischer Kunst und Photographien umfaßt. Der
umfangreiche, ständig ausgebaute Handapparat dieser
Sammlung an genealogisch-heraldischen und biographi-
schen Werken bekam überdies eine Ergänzung durch
die Notizensammlung des ehemaligen Direktors der
Gemäldegalerie Hofrat August Schäffer in Wien,
eine in die Tausende zählende Menge von Zeitungs-
ausschnitten, biographischen und kunsthistorischen
Aufzeichnungen, die sich größtenteils auf die bilden-
den Künstler und das Künstlerleben des 10. Jahr-
1underts beziehen.
Das außerordentliche Interesse und die große tag-
‚ägliche Inanspruchnahme gerade dieser neuen Ab-
:eilung der Nationalbibliothek durch die Forschung,
die weitgehendste Verwertung ihres Materials in den
einschlägigen Publikationen der letzten Jahre recht-
‚ertigen an sich am besten ihr Bestehen und fordern
ihren weiteren raschen Ausbau.
Der wertvollste Teil der ehemaligen Fideikommiß-
bibliothek, jener der Handschriften und Inkunabeln,
war nun der Handschriftensammlung der National-
bibliothek zugewachsen, jene Bestände, die heute
dank der hohen Bewertung auf dem freien Markte
in wertvolleren Stücken nur von besonders gut
dotierten Instituten erworben werden können; zählte
doch diese Handschriftensammlung der Fideikommiß-
bibliothek — von der Bevölkerung wegen der Ein-
reihung der Huldigungsgedichte vielfach so verkannt —
zu ihrem Grundstock mehr als 100 Handschriften,
zum Teil aus dem frühen Mittelalter, mit sehr wert-
vollen Textüberlieferungen, etwa OO miniierte Manu-
skripte, darunter kostbare Gebetbücher, geschmückt
in den Werkstätten bekannter vlämischer und fran-
zösischer Buchmaler, ferner andere überaus inter-
essante und wertvolle Bestände an historischen, mili-
tärischen, statistischen und wirtschaftsgeschichtlichen
Quellen der früheren Jahrhunderte. Trotzdem die
Inkunabelsammlung der ehemaligen Hofbibliothek
an Reichtum und Wert ihrer Stücke an dritter
Stelle unter den Weltsammlungen dieser Art zu
stehen kommt, haben die angereihten Inkunabeln der
ehemaligen Fideikommißbibliothek ganz wenige Dou-
bletten ergeben und somit die alten Bestände an
Frühdrucken gleichfalls wesentlich erweitert.
Eine Vermehrungsmöglichkeit bot der Handschriften-
sammlung weiter der im Gefolge der gänzlichen Geld-
entwertung eingetretene Abverkauf an Handschriften
und Frühdrucken aus österreichischen Privatbiblio-
theken, vor allem dort, wo eine Abwanderung ins
Ausland und damit ein unersetzlicher Verlust an
heimischem, historischem Kulturbesitz den Ankauf
{ür eine staatliche Sammlung erforderte. Eine der
nteressantesten Erwerbungen in dieser Hinsicht ist
las Gebetbuch der Familie Strochner (Salzburg)
nit reizenden Miniaturen und einem Ornament-
;chmuck, aus der ehemaligen Donaumalschule stam-
nend, eine andere das Antiphonarium aus dem Besitz
les Stiftes Geras, 1471 in einer böhmischen. Werk-
;tätte gemalt. Graphische Inkunabeln, solche von
;eltenem Wert und Vorkommen, konnten ebenfalls
ıuf diesem Wege erworben werden; das schönste
ırhaltene Fxemplar eines der frühesten. Wiener
Drucke vom Jahre 1482, der sogenannte Vocabulista,
zählt zu den interessantesten Inkunabelkäufen der
Nationalbibliothek in den letzten zehn Jahren. An
Autographen wurden wertvolle Stücke österreichischer
Autoren gekauft und größere Bestände der National-
bibliothek in den Nachlässen Miklosich und Exner
sinverleibt. Die Zahl der käuflich erworbenen und
zewidmeten Stücke (von den Beständen der ehemaligen
’ideikommißbibliothek abgesehen) betrug in den letzten
zehn Jahren allein 1092 Handschriften, 57 Inkunabeln
ınd mebr als 743 Einzelautographe. ;
Die von der ehemaligen Habsburgischen Fidei-
<ommißbibliothek der Kartensammlung der National-
»ibliothek zugewachsenen Landkarten bekamen hier
»ald eine weitere große Ergänzung durch die Karten-
‚estände der ehemaligen Albertina und einen Teil
ener des Geographischen Institutes, so daß diese
\bteilung der Nationalbibliothek in kurzer Zeit in
hren Beständen weit mehr als verdoppelt wurde.
Unter den käuflich neu erworbenen Stücken inter-
»sieren hier vor allem die vom Nordpolfahrer Payer
zezeichneten Ansichten aus Ostgrönland und Franz-
Josefs-Land und die Sammlung Schwarz-Mohren-
stein mit zahlreichen Landschaftsansichten aus ver-
schiedenen. Gegenden des alten Oesterreich.
Die Musiksammlung der ehemaligen Hofbibliothek,
5ekanntlich eine der allergrößten und in ihrenBeständen
die geschlossenste Sammlung dieser Art, hat gleich“
'alls ihre bisherigen Bestände in kurzer Zeit nahezu
verdoppelt, und zwar durch die Aufnahme der Musik-
bestände der Archive des Theaters an der Wien, des
Zarl-Theaters und des Theaters in der Josefstadt,
durch die Ergänzungen des Hofkapellenarchivs, der
%stensischen Musikalien und jene der Habsburgischen
"ideikommißbibliothek. Unter dem stark vermehrten
\utographenbesitz ragen Zueignungen lebender Ton-
künstler hervor, darunter zwei Opernpartiture»?
von Richard Strauß, die des „Rosenkavalier” und
der „Aegyptischen Helena”. Das handschriftliche Ver-
mächtnis Anton Bruckners wurde mit bestem Erfolge
auf verschiedenen Wegen und mit Aufwendung großer
Mittel wesentlich vervollständigt. Im Jahre 1027 wurde
Jer Musiksammlung das „Archiv für Photogramme mus!”
calischer Meisterhandschriften, Widmung von A. var
Toboken” angegliedert, das in der kurzen Zeit bis Ok-
ober d. J. bereits 6000 Aufnahmen nach einschlä-
gen Handschriften aus ganz Furopa auszuweisen hat